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Baugeschichte der Repression


Die Baugeschichte hat nicht nur schöne und bewundernswerte Bauwerke hervorgebracht. Architektur diente schon immer auch der Repression. Im übertragenen Sinne und im wörtlichen. In der Zeit des Nationalsozialismus und später auch im SED-Staat sind zahllose Bauten entstanden, die sich mit der Unterdrückung, Peinigung und der Ermordung unschuldiger Menschen in Verbindung bringen lassen. Das Fachgebiet hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Aspekt der Baugeschichte nicht dem Vergessen zu überlassen. In verschiedenen Untersuchungen und Dokumentationen wurden und werden solche Probleme aus der Zeit zwischen 1933 und 1989 behandelt.

In dem Projekt Bauliche Zeugnisse und Spuren der „Euthanasie“ wurden seit 1990 die noch erhaltenen Anstalten Bernburg, Hadamar, Hartheim und Pirna ausführlich dokumentiert, untersucht und beschrieben. Die Ergebnisse flossen in den Ausbau der Gedenkstätten ein, die an allen vier Orten eingerichtet worden sind. Eine umfassende Publikation in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Gedenkstätten ist in Vorbereitung.

Die Baracken aus der Zeit des Nationalsozialismus waren Gegenstand einer vom Fachgebiet durchgeführten Notdokumentation mit Grabung im STALAG III bei Eisenhüttenstadt (2000), einer Bauaufnahme im Barackenlager Schöneweide (2004), das bis 2006 zu einer Gedenkstätte ausgebaut wurde, und wurden in der Diplomarbeit von Aleksandra Laszcak typologisch untersucht.

Die Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR  werden von Gudrun Schaare bearbeitet. Auf der Diplomarbeit zu dem „Lindenhotel“ in Potsdambaut die derzeit laufende Dissertation auf.

Das KGB-Gefängnis in Potsdam war Gegenstand einer Bauaufnahme im Grundstudium unter der Leitung von Marina Döring (2001) und wurde im Jahr 2006 als Grundlage eines Wettbewerbs zum Ausbau als Gedenkstätte umfassend dokumentiert und untersucht.

Die Reste der Berliner Mauer  werden im Zuge eines seit 2002 unter der Leitung von Johannes Cramer, Gabri van Tussenbroek und Philip Speiser laufenden Projekts mit allen Details wissenschaftlich dokumentiert. Ziel der Arbeiten ist die Publikation „Baugeschichte der Berliner Mauer“. Teile der Untersuchung gehen auch in die Umsetzung des Gesamtkonzepts zur Berliner Mauer der Senatsverwaltung ein. Im Herbst 2007 wurden in diesem Zusammenhang archäologische Untersuchungen an der Bernauer Straße durchgeführt.