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Die Gebälke der Maxentius-Basilika auf dem Forum Romanum in Rom.

Aufnahme der in situ verbliebenen Marmorblöcke und Klärung des bauhistorischen Zusammenhangs

 

Leitung des Teilprojekts: Dipl.-Ing. Stefan Breitling

Bearbeiter: Manuele Fior, Gudrun Stühler, Andrea Börner

Leitung des Gesamtprojekts Maxentius-Basilika: Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer, Marina Döring, M. A.

Finanzierung: Fritz-Thyssen-Stiftung, Denkmalamt Rom

 

 

Die Maxentius-Basilika

Die Maxentius-Basilika am Rande des Forum Romanum in Rom, die zwischen 306 und nach 312 nach Christus durch Kaiser Maxentius errichtet und von seinem Nachfolger Kaiser Konstantin ausgestattet und erweitert wurde, gehört zu den einflußreichsten Bauwerken der europäischen Baugeschichte. Die Ruine des gewaltigen Bauwerkes hat mit ihren massiven Backstein-Wänden, den kassettierten Tonnengewölben der erhaltenen nördlichen Seitenschiffe, mit ihrer Ausstattung und den Architekturgliedern aus Marmor das Bild antiker Architektur für viele Jahrhunderte geprägt. Auf dem Stich von Duperac aus dem 16. Jahrhundert ist eine der Säulen des Mittelschiffs noch zu sehen. Es handelt sich um diejenige, die später vor Santa Maria Maggiore aufgestellt wurde. Die Abbruchspuren sind an dem Bauwerk noch heute zu sehen.

 

 

1  Rom, Maxentius-Basilika mit den Resten der Gebälke in dreißig Metern Höhe. Foto: Breitling 1999.

2  Rom, Maxentius-Basilika, Ansicht von Süden, Stich von Duperac aus dem 16. Jahrhundert.

 

 

Das Projekt

Im Rahmen der Vorbereitungen für das Heilige Jahr 2000 wurden an der Maxentius-Basilika Sanierungsarbeiten durchgeführt, die eine gefahrlose Begehung der Ruine sicherstellen sollten. Dazu wurden lose Wandpartien und Steinschalen abgeschlagen oder gefestigt, glättende und Wasser ableitende Opferschichten aus Mörtel auf vorstehende Bauteile gestrichen und Taubendornen angebracht. Schließlich erhielt das Dach des nördlichen Seitenschiffes eine neue Abdichtung und ein Geländer. Als Vorbereitung der Baumaßnahmen wurden ausführliche archäologische und bauhistorische Untersuchungen durchgeführt. Das Projekt der TU Berlin wurde von der Fritz Thyssen Stiftung unterstützt. Von den Baugerüsten aus konnten auch die schwer zugänglichen, fast dreißig Meter über dem Fußboden der Basilika aus der Nordwand des ehemaligen Mittelschiffs hervorkragenden Gebälke dokumentiert und untersucht werden. Bis auf skizzenhafte Notizen, die die Proportionen festhalten sollten, gab es bisher keine Zeichnungen dieser wichtigen Überreste einer der größten Architekturordnungen der späten Antike. Alle Marmorblöcke der vier Gebälkreste der Mittelschiffsgewölbe wurden von allen Ansichtsseiten im Maßstab 1:10 gezeichnet. Ebenso die Anschlüsse an das umgebende Ziegelmauerwerk. Beispiele für das Bauornament aus maxentinischer Zeit und für dasjenige der zweitverwendeten Blöcke wurden im Maßstab 1:1 aufgemessen.

 

 

3  Rom, Maxentius-Basilika, Ansicht der Ostwand von Westen. Das Gebälk Nr. 04 ist mit dieser Technik nur stark verzerrt darzustellen. Meßbild: Focus Leipzig 1998.

4  Rom, Maxentius-Basilika, Gebälk Nr. 04 in der Nordost-Ecke des Hauptschiffes. Skizze mit Darstellung der Einzelteile. Zeichnung: Breitling 1999.

5  Rom, Maxentius-Basilika, Gebälk Nr. 02, Architravblock. Die Profilierung der Unterseite verweist auf seine Zweitverwendung. Zeichnung: Breitling, Fior 1999.

6  Rom, Maxentius-Basilika, Gebälk Nr. 04, Ansicht von Südwesten. digitale Darstellung der in situ erhaltenen Blöcke. Zeichnung: Fior, TU Berlin 1999.

7  Rom, Maxentius-Basilika, Gebälk Nr. 04, Ansicht von Westen. Montage der Handaufmaße im Originalmaßstab 1:10. Zeichnung: Breitling, Fior, TU Berlin 1999.

8  Rom, Maxentius-Basilika, Gebälk Nr. 02, Architravblock, Ansicht von Südwesten. Die Fascien sind hadrianisch zu datieren. Foto: Breitling 1999.

9  Rom, Maxentius-Basilika, Gebälk Nr. 04, Ansicht von Westen, Detail. Originale Versatzplatten aus Blei zwischen Geison- und Simablock. Foto: Breitling 1999.

 

 

Die Gebälke

Im Mittelschiff der Maxentius-Basilika standen ursprünglich acht Säulen frei vor den Wandpartien, über denen die gewaltigen Kreuzgradgewölbe ansetzten. Von den Gebälken über den Säulen, die die einzige architektonische Ordnung der Basilika darstellten, haben sich vier Reste an der Nordwand des ehemaligen Mittelschiffes in 30 m Höhe erhalten. Während an dem nordwestlichen Kämpferpunkt nur noch der Ausbruch studiert werden kann, sind an den übrigen noch einige Marmorblöcke vorhanden, die, schwer erreichbar und von teilweise enormen Ausmaßen, ihren Platz über die Jahrhunderte bis heute behielten und viel über Entwurf, Versatz, Bautechnik und Detailausbildung der kaiserlichen Architektur am Anfang des vierten Jahrhunderts verraten. Aufsehenerregend ist die Entdeckung, daß die meisten der besonders großen Marmorblöcke für die Architrave und Frieszonen der Gebälke aus einem anderen Zusammenhang stammen und als Spolien in dem maxentinischen Bau versetzt wurden. Die für die Proportionierung der architektonischen Ordnung wichtigen Kymablöcke über der Frieszone, die in der großflächigen Formensprache der Spätantike für den Neubau angefertigt wurden, sind fast sämtlich in Ausnehmungen in ältere Steine eingesetzt. An dem Architravblock des Gebälkes Nr. 02 sind Oberflächenbearbeitung und Fascien eindeutig der hadrianischen Zeit zuzuweisen. Hier entsprechen die Abstände nur ungefähr der maxentinischen Ordnung. Am Gebälk Nr. 04 gibt es anstatt eines sauberen Übergangs eine Verfüllung aus opus caementitium, die die Lücke zur Ostwand schließen sollte. Aus der Entfernung dürften diese Ungenauigkeiten kaum aufgefallen sein. Die ursprüngliche Wirkung der gewaltigen Architekturteile kann man in dem annähernd ähnlich dimensionierten Innenraum von Santa Maria degli Angeli in Rom nachvollziehen.

 

Stefan Breitling IX/1999

 


Siehe auch  Die Maxentius-Basilika auf dem Forum Romanum in Rom