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Das Modell der Mushatta-Fassade im Maßstab 1:15
Rekonstruktion des Auffindungszustandes und Darstellung des Bildprogramms

Leitung: Dipl.-Ing. Stefan Breitling für die ARGE C/TU Pergamon-Museum, Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer und Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack

Auftraggeber: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst im Pergamon-Museum, Direktor Prof. Dr. Claus-Peter Haase

Das Projekt

Auf Veranlassung der Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin wurde unter Leitung des Museums für Islamische Kunst ein Modell der Mushatta-Fassade im Maßstab 1:15 gebaut. Das Projekt wurde mit Mitteln der Kulturstiftung des Auswärtigen Amtes unterstützt. Nach der Präsentation in der Ausstellung "Gesichter des Orient" in Berlin und Bonn wird das Modell als Geschenk an das Königreich Jordanien seinen endgültigen Platz im neu gegründeten Nationalmuseum in der Hauptstadt Amman finden. Wie wenig andere Objekte ist die Mushatta-Fassade ein Symbol für den friedlichen und freundschaftlichen Austausch zwischen der antiken, der islamischen und der europäischen Kultur.

  

  • Abb. 1 Modell der Mushatta-Fassade M. 1:15, Ansicht. Entwurf: Museum für islamische Kunst, ARGE C/TU Pergamon-Museum. Modellbau: Wolfgang Hannemann. Foto: Stefan Breitling 2004.
  • Abb. 2 Ansicht mit Aufmaß der im Museum für islamische Kunst ausgestellten Bauteile und der Rekonstruktion der rechten Seite. Zeichnung. ARGE C/TU Pergamon-Museum 2003/2004.
  • Abb. 3 Der Palast von Mushatta beim Abbau. Die Reliefs wurden aus den Steinblöcken herausgesägt und nach Berlin gebracht. Foto: Bruno Schulz 1903.

Die Mushatta-Fassade

Die Mushatta-Fassade wurde um die Mitte des 8. Jahrhunderts nahe dem heutigen Amman als Teil der südlichen Umfassungsmauer einer rund 144 m2 einnehmenden Palastanlage errichtet. Die mit einem feinen Relief überzogenen Wandflächen flankierten mit zwei polygonalen Türmen den Eingangsbereich des Palastes. 1903 schenkte der osmanische Sultan Abdul Hamid II. die Fassade dem Deutschen Kaiser Wilhelm II., der sie abtragen und in Berlin als Hauptattraktion im neu eröffneten Kaiser-Friedrich-Museum, dem heutigen Bode-Museum, wieder aufstellen ließ. Seit der Gründung des Museums für Islamische Kunst 1904 steht die Fassade im Mittelpunkt der Erforschung der frühislamischen Kunst.

  

  • Abb. 4 Mushatta, Grundriß. Zeichnung: Bruno Schulz 1903.
  • Abb. 5 Modellbauplan, Grundriß. Zeichnung: ARGE C/TU Pergamon-Museum 2004.
  • Abb. 6 Mushatta-Fassade, Bildplan Dreieck E. Foto: Christina Straße 2003.

Der Modellbau

Das Modell gibt den wissenschaftlich gesicherten Zustand der Fassade vor ihrem Abbau und der Translozierung nach Berlin 1903 wieder. Die Grundlage für den Modellbau bildeten die Aufmaße und Zeichnugnen der Situation vor Ort von Bruno Schulz 1902/03 und die Fotografien von Ernst Brünnow 1895-98 sowie neue Aufnahmen und Pläne der im Museum für Islamische Kunst vorhandenen Bauteile der Fassade, die 2002-04 im Rahmen der Planungen für die Restaurierung und Baufreimachung des Pergamon-Museums hergestellt wurden. Erstmals lagen nach den Vermessungen von 2003 die genauen Maße der originalen Kalksteinblöcke und eine detaillierte Darstellung des feingliedrigen Dekors vor. Das Modell wurde auf einer Grundplatte von 3,50 m x 0,90 m errichtet. Schwerpunkt der Darstellung war das Ornament, dessen Bildprogramm sich ebenso wie seine Details an dem Modell ablesen lassen. Die Kleinteiligkeit des Reliefs erforderte besonders aufwändige Verfahren. In einer weltweit bisher einzigartigen kombinierten Technik wurden zunächst der Fugenschnitt nach den vorhandenen CAD-Aufmaßen in Kunststoffplatten eingeschnitten und anschließend die Feinheiten mit einem Laser in mehreren Schichten in die Flächen eingebrannt. Dadurch entstand ein wirklichkeitsnahes dreidimensionales Modell. Eine ergänzende Darstellung der heute fehlenden rechten Seite, die Wiedergewinnung der Symmetrie und die Andeutung der ursprünglichen Wandstärken lassen die beeindruckende Wirkung der einstigen Anlage erahnen.

   

  • Abb. 7 Modell der Mushatta-Fassade, Ansicht Dreieck F. Foto: Stefan Breilting 2004.
  • Abb. 8 Farbproben für den Modellbau an der originalen Fassade. Foto: Stefan Breitling 2004.
  • Abb. 9 Mushatta-Fassade, vor ort verbliebene Blöcke. Foto: Michael Meinecke 1996.
  • Abb. 10 Modell der Mushatta-Fassade. Am Modell wird die Monumentalität der Anlage deutlich. Foto: Stefan Breitling 2004.

Stefan Breitling 16.01.2004