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Qasr al-Mushatta - ein umayyadischer Palast in Jordanien

Leitung:
Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer, Dr.-Ing. Barbara Perlich, Dr.-Ing Tobias Rütenik

Team:
Dr. Ghazi Bisheh, Kati Eschner B.A., Holger Grönwald M.A.,
Prof. Dr. Claus-Peter Haase, Dr. Mohammad el-Khalili, Dr. Katharina Meinecke, Ahmad Othman,
Dr.-Ing. Birte Rogacki-Thiemann, Dipl.-Ing. Moritz Taschner; Prof. Dr. Günther Schauerte, Olga Zenker B.Sc., Dr.-Ing. Christoph Ziegert,
Tobias Horn M.A. M.Sc., Dipl.-Ing. Uwe Seiler, Thomas Osius, Steinrestaurator, Dipl.-Rest. Karen Keller, Abu Ahmad with relatives und Studierende / and students der/of TU Berlin

Finanzierung - funding:
Deutsche Forschungsgemeinschaft, Auswärtiges Amt, Technische Universität Berlin

Publikationen - publications
Der wissenschaftliche Ertrag des Projekts wird in einer Monographie vorgelegt, die voraussichtlich im Jahr 2013 erscheint. Das Manuskript ist derzeit in Vorbereitung.

The scientific outcome of the project will be presented in a publication, which hopefully will be available in 2013. The respective manuscript is on its way.

Aufsätze - articles
Barbara Perlich: Ritzzeichnungen am Qasr al-Mschatta. Neue Einsichten in das frühislamische Bauwesen; in: Architectura 40/2010, S.135-146

Johannes Cramer, Günther Schauerte: Jordanien: Mschatta-Palast, Wüstenschloss der Kalifen; in: Kulturwelten – Das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amtes; Berlin 0.J. (2011), S.22-29

Barbara Perlich, Johannes Cramer: Zur Bauausstattung von Qasr al-Mschatta; in: Tagungsband Koldewey-Gesellschaft 2010 (im Druck)

Johannes Cramer, Barbara Perlich: Reconsidering the dating of Qasr al-Mushatta; in: Tagungsband Herzfeld Gesellschaft 2011 (im Druck)

Johannes Cramer: Das Wüstenschloss Mschatta als geteiltes Erbe zwischen zwei Kulturen; in: Tagungsband Arbeitskreis Theorie und Lehre in der Denkmalpflege 2011 (im Druck)

 

Die Geschichte - the history

Qasr al-Mushatta ist eine Palastanlage in Jordanien. Sie wurde der gültigen Forschungsmeinung zufolge gegen 743 n. Chr. von Walid II. in der Wüste - eine Tagesreise südlich der alten römischen Stadt Philadelphia (heute Amman) - begonnen. Der frühe Tod Walids im Jahr 744 könnte eine Bauunterbrechung zur Folge gehabt haben. Noch im 8. Jh. zerstörte ein schweres Erdbeben die Anlage, die danach über Jahrhunderte unbeachtet liegen blieb.

Erst am Ende des 19. Jahrhunderts berichteten Reisende wieder von dem reich ornamentierten „Wüstenschloss“ und mit dem Bau der Bagdad- und Hejaz-Bahn rückte sie in das Blickfeld der Forschung. Im Jahr 1903 machte der osmanische Sultan Abdülhamid II. einen Teil der Hauptfassade dem deutschen Kaiser Wilhelm II. zum Geschenk für das im Aufbau befindliche Pergamonmuseum. Seither ist der mit aus dem frischen Kalkstein kunstvoll ausgearbeitetem Rankenwerk überreich verzierte Fassadenteil eine der Attraktionen im Museum für Islamische Kunst. Im Zusammenhang mit der Übertragung des Kunstwerks nach Berlin waren nur begrenzte Forschungsaktivitäten möglich.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung „Faces of the Orient“ der Staatlichen Museen zu Berlin im Jahr 2004/05 wurde von dieser Fassade ein Modell im M. 1:25 erstellt und dem Jordanischen Nationalmuseum in Amman übereignet.

Qasr al-Mushatta is a palace in Jordan. According to the existing research opinion construction was begun in 733 AD by Walid II in the desert some 30 km south of the former roman town of Philadelphia (today Amman). The early death of Walid in 744 AD may have interrupted building activities. Before 800 AD a heavy earthquake destroyed the palace which for the forthcoming centuries remained abandoned.

It was only in the late 19th century when travelers again took notice of the richly decorated „desert castle“ connected to the construction of the Bagdad and Hejaz railways. In 1903 the Ottoman sultan Abdülhamid II. donated two thirds of the richly decorated main gate to the German emperor Wilhelm II to be included to the newly built Pergamon Museum in Berlin. Since then the richly decorated façade is one of the landmarks of the Museum of Islamic Arts. On the occasion of the transfer of the stones to Berlin there was only limited possibilities for historic research.

On the occasion of the exhibition „Faces of the Orient“ in the Berlin National Museums in the years 2004/05 a model of the façade in the scale 1:25 was realized and donated to the Jordan National Museum in Amman.

   

  • Abb. 1 Vermessung der Hauptfassade im Pergamon Museum. Foto: TUB, FG Baugeschichte, 2003.
  • Abb. 2 Aktuelle uftaufnahme. Von: Google-Earth, Juli 2008.
  • Abb. 3 Gesamtgrundriss nach Creswell.

Das Projekt - the project

Im Jahr 2009 haben die jordanische Antikenverwaltung, die Technische Universität Berlin und die Staatlichen Museen zu Berlin eine Forschungs- und Restaurierungsprojekt begonnen mit dem Ziel, die offenen Forschungsfragen zur Datierung, der geplanten Nutzung sowie dem architektonischen Gesamtkonzept zu klären und zugleich substanzsichernde Maßnahmen durchzuführen sowie Teile der eingestürzten Baulichkeiten wieder aufzurichten. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Auswärtigen Amt finanziert.

Starting from 2009 a common research and restoration project has been launched by the Department of Antiquities of the Hashemite Kingdom of Jordan, the Berlin Institute of Technology and the Berlin National Museums in order to document and evaluate the historic site in terms of dating, former use and architectural design and at the same time restore the damaged fabric and rebuild parts of the collapsed architecture. The project is financed by the German research Foundation (DFG) and the Foreign Office of the Federal republic of Germany.

   

  • Abb. 4 Das Baustellenschild. Foto: TUB, FG Baugeschichte, 2009.
  • Abb. 5 Bauaufnahme vor Ort. Foto: TUB, FG Baugeschichte, 2010.
  • Abb. 6 Grabungen vor Ort. Foto: TUB, FG Baugeschichte, 2009.
Im Herbst 2009 begannen erste Restaurierungsarbeiten an dem stark gefährdeten Ziegelmauerwerk. Die zahlreichen Fehlstellen in den Ansichten werden mit altem Ziegelmaterial und einem entsprechend den historischen Vorgaben entwickelten Reparaturmörtel instand gesetzt. Die Mauerkronen erhalten eine Opferschicht aus zwei bis drei Schichten neuer Ziegel, die nach dem historischen Vorbild gefertigt wurden. Insgesamt werden bis zu 100.000 Ziegel verbaut. Diese dienen auch der Verstärkung der Wände, an welche die alten Ziegel-Tonnengewölbe anschließen. Durch zusätzliche Auflast wird die Standsicherheit nach den Berechnung der deutschen Tragwerksplaner deutlich verbessert.

Starting from autumn 2009 the highly endangered historic brickwork was repaired in the elevations in using old bricks from the site together with a mortar which was developed in accordance with the old ingredients. The wall tops are covered with two or more courses of newly produced bricks similar in format and material to the historic samples. Altogether some 100.000 bricks will be implemented. They also strengthen the walls which bear the historic brick vaulting of the rooms by additional weight according to the results of an expertise of the German civil engineers.

   

  • Abb. 7 Das Team im Säulenhof Palastes. Foto: TUB, FG Baugeschichte, 2009.
  • Abb. 8 Instandsetzung des Backsteinmauerwerks. Foto: TUB, FG Baugeschichte, 2010.
Im Herbst 2010 hat der Wiederaufbau der durch Erdbeben zum Einsturz gebrachten Palastfassade begonnen. Die Steine der Drei-Bogen-Front sind zu mehr als 80% erhalten. Sie werden in traditionellem Verfahren mit örtlichen Kräften wieder errichtet. Die Bogenform ergibt sich einerseits aus den alten Steinen; die Richtigkeit der Rekonstruktion kann anhand von Ritzzeichnungen der Bauzeit kontrolliert werden, die sich auf den Natursteinwänden finden. Die Arbeiten wurden im Herbst 2011 abgeschlossen.

In autumn 2010 the rebuilding of the façade of the palace with its three arches was begun. More than 80% of the stones are still on the site. They are reassembled in the traditional technique by local workers. The form of the arches naturally is determined by the old stones. The correctness of the result of the reconstruction can be checked from drawings which have been scratched into the stone walls during construction work in the 8th century. The project has been finalized in autumn 2011.

     

  • Abb. 9 Vorbereitung für den Wiederaufbau der Bogenfassade. Foto: TUB, FG Baugeschichte, 2010.
  • Abb. 10 Montage der Gerüste zum Aufstellen der Bogenfassade. Foto: TUB, FG Baugeschichte, 2010.
  • Abb. 11 Das fertige Lehrgerüst. Foto: TUB, FG Baugeschichte, 2010.
  • Abb. 12 Eine Collage als Zielsetzung der Rekonstruktion. Von: TUB, FG Baugeschichte, 2009.
Im Herbst 2011 wurde die Instandsetzung der Spitztonnen fortgesetzt. Die durch Erdbeben teilweise eingestürzten Gewölbe werden in der traditionellen Technik so weit ergänzt, dass die Ruine vom Publikum gefahrlos genutzt werden kann. Dazu wird eine Lehre genutzt, die abschnittsweise versetzt wird.

In autum 2011 the repair work of the pointed vaulting has been continued. The vaulting has been destroyed partly by earthquake in the 9th century. The repair is conducted in the traditional technique by using a forming scaffolding which is shifted forward stepwise.

   

  • Abb. 13-15 Reparatur und Ergänzung der Spitztonnengewölbe. Fotos: TUB, FG Baugeschichte 2011

Im Spätherbst 2011 wurde die Instandsetzung und Erhöhung der westlichen Umfassungsmauer begonnen. Durch Steinraub sind die meisten Läufer verschwunden, während die Binder noch vorhanden sind. Ziel der Maßnahme ist die Sicherung der verbliebenen Substanz und die Erhöhung der Mauer so weit, dass für den Besucher die hässlichen Industriegebäude der Umgebung nicht mehr sichtbar sind. Diese Maßnahme konnte im Frühjahr 2012 abgeschlossen werden.

In the end of 2011 the repair and rebuilding of the western surrounding wall was begun. The masonry has been looted by taking away most of the stretchers of both the towers and the walls, whereas the headers remain in their original position. The issue of the project is first conservation of the endangered historic relics and second to obscure the ugly industrial buildings in the neighborhood for the visitors inside the castle. This project has been finished in 2012

   

  • Abb. 16-18 Reparatur und Erhöhung der Westmauer. Fotos: TUB, FG Baugeschichte 2011
Im Frühjahr 2012 wurde der Bogen der Audienzhalle wieder errichtet, der gleichfalls durch das Erdbeben des 9. Jh.s eingestürzt war. Auch hier ist der größte Teil der Bogensteine erhalten.

In the spring 2012 the inner arch of the audience hall, also destroyed by the earthquake of the 9th century, has been rebuilt from the existing historic stones.

   

  • Abb. 19-21 Wiederaufbau des Bogens der Audienzhalle. Fotos: TUB, FG Baugeschichte 2012

Aktuelle Maßnahmen - current activities

Im Jahr 2013 werden die Oberflächen der Ruine gestaltet und der Grundriss der Anlage durch die Instandsetzung der Grundmauern sichtbar gemacht. Informationstafeln erläutern den Befund für die Besucher.

In 2013 the ruin will be landscaped and the ground plan made visible by repairing the existing foundations. An information system will explain the site for visitors.