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Der Ostabschluss des Erfurter Doms

Mitarbeiter: N. Pelzer, B. Perlich, M. Schnelle, U. Siegel

Publikation:
PERLICH, Barbara - SCHNELLE, Mike - SIEGEL, Ulrike: Der Ostschluss, in:
CRAMER, Johannes - SCHULLER, Manfred - WINGHART, Stefan (Hrsg.): Forschungen zum Erfurter Dom; Arbeitshefte des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege 20 (2005), 30-44.

 

Das Projekt

Im Rahmen eines Intensivforschungsprojekts "Erfurter Dom" des Graduiertenkollegs Kunstwissenschaft - Bauforschung - Denkmalpflege der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Technischen Universität Berlin wurden im Sommer 2003 verschiedene Fragen zur Baugeschichte der Stiftskirche Beatae Mariae Virginis in Erfurt bearbeitet.

Der heutige Bestand der Stiftskirche geht auf mehrere Um- und Ausbauphasen zurück. Am ältesten sind die Mitte des 12. Jahrhunderts errichteten Türme sowie Teile des Querhauses. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde an den romanischen Bau ein Chor angefügt, von dem heute noch Teile der Fundamente sowie bislang unbekannte Reste im aufgehenden Mauerwerk des neuen Hohen Chores aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten sind. Anhand der neuen Befunde konnte der Grundriss des Vorgängerchors vom Ende des 13. Jahrhunderts rekonstruiert werden.

Im 14. Jahrhundert errichtete man einen neuen, den heute noch erhaltenen Hohen Chor. Für diesen wurden beeindruckende Substruktionen gebaut, die auf einer Länge von 30 m etwa 13 m hoch über dem Erfurter Marktplatz aufragen und den Chor tragen. Die Substruktionen, deren Bau mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, waren Teil einer groß angelegten Planung und wurden in einem durchgehenden Bauzusammenhang geschaffen. Von den Anfängen entwickelten und verbesserten die Bauleute dabei ihre Möglichkeiten, den polygonalen Grundriss mit einem Gussgewölbe zu überdecken.

Um den Chor herum führt ein breiter Umgang, der für die Pilger angelegt wurde: Mit den Reliquien der beiden heiligen Bischöfe Eoban und Adolar, Gefährten des Bonifatius, war Erfurt ein wichtiges Pilgerziel im Thüringer Land. Bei den Untersuchungen im Jahr 2003 wurde neue Befunde zum vermutlichen Pilgerweg und zur Funktion einzelner Bauteile gesammelt. Reste einer Malerei auf der Außenwand, die möglicherweise aus der Erbauungszeit des Hohen Chores stammen und zum Ausstattungsprogramm des Pilgerwegs gehören könnten, sollen im Frühjahr 2004 näher untersucht werden.

Außer den beschriebenen wurden weitere Fragen zum Dom untersucht: Architektur und Skulptur des Triangelportals (O. Siart, D. Spiegel, F. Koch, J. Reiche, S. Hartleitner, C. Haas, M. Wortmann), Bauphasen und Ausstattung des Kreuzgangs (C. Neumann, C. Scholter, G. van Tussenbroek, T. Steigenberger, U. Fauerbach, Zs. Sándor-Pröschold), Dokumentation und Rekonstruktion des Südanbaus (J. Birnbaum, S. Bielskis, A. Kutnyi, A. Wiesneth, B. Hunger) sowie die Denkmalpflege am Dom (A. Hagemann, S. Herzog, R. Hillmann, B. Bongiorno, P. Schneider, M. Falser).