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Das Neue Schloss Freyenstein

Überlegungen zur Bewahrung und Nutzung eines Baudenkmals

Das Schloss in Freyenstein gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Adelssitzen in Brandenburg. Am südlichen Stadtrand gelegen, beherrscht seit dem 16. Jahrhundert mit seinen drei Geschossen und dem hohen Dach die Hauptstraße des Ortes.
Vermutlich errichtete Dietrich von Rohr Anfang des 16. Jahrhunderts das Schloss, wobei er den Wittstocker Torturm und die Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert in seinen Bau integrierte.
Zur gleichen Zeit, als das nahegelegene Alte Schloss mit seiner berühmten Terrakotta-Fassade gebaut wurde, stockte man das Neue Schloss um ein Geschoss auf, zog Gewölbe und steinerne Bogenstellungen ein und stellte einen neuen Dachstuhl auf, der bis heute erhalten geblieben ist. Das äußere des Schlosses wirkte damals uneinheitlicher, als es das heutige Aussehen vermuten lässt. Die großen profilierten Fenster waren unregelmäßig über die Fassade verteilt und an den Fassaden klebten Abort-Erker. Erhalten geblieben sind unter anderem die Stuckierungen der Gewölbe und die Reste der Pilaster-Gliederung an der Südfassade.
Als 1620 die Familie von Winterfeld die Herrschaft übernahm, wählte sie das Neue Schloss zu ihrem Hauptwohnsitz und gestaltete das Innere den gestiegenen Repräsentations-Ansprüchen gemäß um. Aus dieser Zeit stammt die breite Wendeltreppe, die in den mittleren Standerker eingebaut wurde.
Im 18. Und 19. Jahrhundert beseitigte man die Aborterker und rückte die Fenster in symmetrisch angeordnete Achsen. Mit einem Durchbruch öffnete man das Haus nach Süden. Im Inneren wurden Zimerfluchten angelegt und die Öfen erneuert.
Mit seinen vielen historischen Befunden ist das Neue Schloss in Freyenstein ein lebendiges Zeugnis für eine jahrhundertelange Geschichte. In seinen Räumen lässt sich an vielen Details das herrschaftliche Leben nachvollziehen.
Man sollte meinen, ein derart imposantes und großes Bauwerk, das immer wieder neuen Anforderungen angepasst werden konnte und das enorme Möglichkeiten bietet, fände leicht einen Liebhaber. Und doch steht es seit einigen Jahren leer und droht zu verfallen. Um dies zu verhindern und um den Fortbestand des Gebäudes zu sichern, muss eine neue Nutzung gefunden werden

Der Umgang mit historischer Bausubstanz

Beim Bauen im Bestand gewinnt eine gewissenhafte und sorgfältige Grundlagenermittlung überragende Bedeutung. Um den erhalt des kulturhistorischen Zeugniswertes der Bausubstanz zu gewährleisten und um Folgeschäden durch falsche Techniken und Materialien zu vermeiden, müssen Sanierungsmaßnamen und neue Nutzungen dem Gebäude minutiös angepasst werden. Dazu bedarf es einer genauen Erfassung des Bestandes und einer Ermittlung der im Gebäude vorhandenen Ressourcen. Erst die Kenntnis der verschiedenen konstruktiven Systeme und der Bauphasen geben Aufschluss über Schadensalter und – ursachen. Durch das Wissen um die interessante Befunde erhöht sich die integrative Kraft und der Wert des Denkmals.
Seit 1998 haben Studenten der Technischen Universität Berlin viele der Notwendigen Planunterlagen und Dokumentationen für das Neue Schloss erarbeitet.


Abb.1: Freyenstein, das neue Schloss von Südwesten. Foto: Breitling 1998.
Abb.2:

Das genaue Aufmaß bringt die ursprünglichen Zusammenhänge ans Licht. wie Pfeilerreste in der Kellerwand K 08 b verraten, besaß das Erdgeschoß im 16. Jh. Einen hölzernen Fußboden. Aufmass TU Berlin, Cholidis, Dettbarn, Battis 1999.

Abb.3:
Abb.4: Um das Gebäude mit seiner Konstruktion und allen Veränderungen verstehen zu können, werden Bauphasenpläne angefertigt. Grundriss Erdgeschoss mit Bauphasen.Breitling 2000.



Konzepte für eine Neue Nutzung

Im Rahmen des Seminars „Nutzen und Bewahren - Bauen im Bestand“ wurden von Architekturstudenten der Technischen Universität Berlin Konzepte für die Sanierung und für eine neue Nutzung entwickelt. Dabei sollten bewusst verschiedene Lösungsansätze mit unterschiedlichen Nutzungsgraden verfolg werden.
Interessant ist die Feststellung, dass bereits der gegenwärtige Zustand auch ohne weitere Maßnahmen Potentiale birgt.
Naheliegend wäre eine schonende Nutzung als Museum. Dafür würde man sich wünschen, dass die Sanitäranlagen erneuert werden. Im übrigen ist das Schloss selbst mit seinen ablesbaren Baubefunden ein interessantes Studienobjekt, das Museumsgebäude selbst ein Ausstellungsobjekt.
Ein Schlosscafé mit Anbindung an den Park könnte im Zusammenhang mit unterschiedlichen Freizeitaktivitäten in den großzügigen Räumen neues Leben in das ehrwürdige Bauwerk bringen.
Auch intensivere Nutzungen sind vorstellbar, ohne dass die historische Bausubstanz schaden nehmen muss. Als Tagungsort oder für Hochzeiten ließe sich das Neue Schloss herrichten. Die Romantische, ruhige Umgebung und die Landschaft um Freyenstein bieten dafür die besten Voraussetzungen.
Will man die Intensität der Nutzung weiter erhöhen, stößt man bald an die Grenzen der vorgegebenen Grundrissdisposition. Hier bietet es dich an, weitere Gebäude der Stadt einzubeziehen oder im näheren Umfeld des Schlosses Ergänzungsbauten zu errichten, die die kritischen Funktionen übernehmen können. Dabei kommt es drauf an, die architektonische Wirkung des Schlosses wenn möglich noch zu steigern.

Alle notwendigen Vorarbeiten für eine Planung mit Augenmaß sind geleistet. Nun gilt es, das Haus erneut zu beleben, das es nach einer jahrhundertelangen reichen Geschichte verdient hat, gebührend gewürdigt zu werden. Denn nur ein genutztes Denkmal wird gepflegt und unterhalten.


Abb. 5:

Grundlage für das Bauen im Bestand ist eine Aufmaßzeichnung, die alle Verformungen, Schäden und konstruktiven bauhistorischen Details enthält. Längsschnitt nach Süden. Bauaufnahme im Maßstab 1:25 i. O., TU Berlin

Abb. 6:

Nutzbar - Einige Räume im Neuen Schloss sind ohne weiteres benutzbar. Der ehemalige Rittersaal im ersten Obergeschoss scheint nur auf eine neue Einrichtung zu warten.

Abb. 7 und 8:

Ein Haus voller Befunde. Ob es sich um eine hölzerne Blockstufentreppe von 1616 handelt oder um den Abdruck eines ehemaligen Kamins im Turm - überall trifft man auf Spuren der Vergangenheit.

Abb. 8: Eine wichtige Voraussetzung für die Planung ist die Erfassung der Schäden, die Interpretation der Schadensbilder und die Ermittlung des Schadensalter und der Schadensursachen. Messbild Ansicht Süd mit Kartierung der Risse. Breitling/Potthoff/Tschech 1999 und 2002


Dr.-Ing. Stefan Breitling IX/2003
Seminar „Nutzen und Bewahren - Bauen im Bestand“
Techniche Universität Berlin, Fachbereich VII, Institut für Baugeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege
Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte, Prof. Dr.-Ing. Cramer,


Literatur:

Breitling, Stefan: Freyenstein. Zur Baugeschichte des Neuen Schlosses, in: Brandenburgsche Denkmalpflege, Jg. 9/2000, Heft 2