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Kurzbericht über die Bauaufnahme der TU Berlin am Kloster Lehnin

Leitung: Dipl.-Ing. Stefan Breitling

Betreuer: Anke Blümel, Viola Schulz, Lars Sörensen

Ein kurzer Überblick über die Baugeschichte der Klosteranlage

Der Askanier Otto I. von Brandenburg, Sohn Albrechts des Bären, gründete das erste Zisterzienserkloster in der Mark Brandenburg im Jahr 1180. Das Kloster Lehnin besaß als Hauskloster und Begräbnisstätte der Askanier eine bedeutende kirchliche, wirtschaftliche und territorialpolitische Funktion und entwickelte sich allmählich zu einer der wohlhabendsten Abteien im Land.

Die Klosterkirche, eine dreischiffige, spätromanisch- frühgotische Pfeilerbasilika in Kreuzform, bildet das Herzstück der Klosteranlage. Sie ist einer der bedeutendsten Backsteinbauten der Mark Brandenburg. Der Baubeginn kann nicht genau datiert werden, wird aber in den Jahren 1190-95 vermutet. Die Arbeiten an der Kirche konnten nach fünf Bauabschnitten vor 1270 beendet werden. Neben der Klosterkirche gehören unter anderem auch das Königshaus, das Wirtschaftsgebäude sowie der Kornspeicher und die Klausur zur historischen Bausubstanz.

Die Klausur ist während des vierten Bauabschnitts der Kirche zwischen 1220 und 1250 wahrscheinlich im Uhrzeigersinn um den im Süden der Kirche angrenzenden Kreuzgang errichtet worden.

1542 wurde das Kloster verweltlicht und ein kurfürstliches Amt zog in das Klausurgebäude. Die Truppen Wallensteins zerstörten 1626 große Teile der Klausur und die Bibliothek brannte völlig aus. Vier Jahre später wurde bei weiteren Plünderungen das Klausurgebäude ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Die weitere Zerstörung des Klosters konnte vom Großen Kurfürsten zunächst aufgehalten werden.

Lehnin, Luftbild der Klausur. Oben rechts das Kornhaus. Quelle: Internet

Lehnin, Lageplan und archäologisches Kataster. Quelle: URBAN 2001.

Lehnin, Ansicht der Klosterkirche von NO. Foto Breitling 2002.

In der Klausur und vor allem in dem in diesem Zuge verlängerten Westflügel ließ er ein Jagdschloss einrichten. 1909 errichtete dann die Märkische Provinzialkirche ein Diakonissen-Mutterhaus im Kloster. 1911 wurde das Cecilienhaus auf den Grundmauern und den noch verbliebenen Resten des Ostflügels der Klausur errichtet. Weitere Neubauten auf der Süd- und Westseite folgten. Heute wird die ehemalige Klosteranlage durch das Luise-Henrietten-Stift genutzt.

Die Bauaufnahme der TU - Berlin

Im Rahmen einer Bauaufnahme-Übung dokumentierten dreißig Architekturstudenten der TU Berlin den Ostflügel der Klausur, das sogenannte Cecilienhaus, und ein mittelalterliches Wirtschaftsgebäude, das Kornhaus. Noch einmal siebzehn vervollständigten das Aufmaß des Kornspeichers. Es entstand ein vollständiger Plansatz des Kornhauses im Maßstab 1:20, die Wandabwicklungen der Innenwände, ein Quer- und ein Längsschnitt als Bleistiftzeichnung auf Karton, die Außenansichten zum Teil als AutoCAD-Umzeichnungen nach digitalen Meßbildern, die mit dem Programm PhotoPlan entzerrt wurden.

Im Cecilienhaus wurde im Erdgeschoß der bereits vorhandene digitale Grundriß der Nordhälfte nach Süden fortgesetzt. Die im Handaufmaß genommenen Maße wurden durch eine tachymetrische Vermessung mit dem Programm TachyCAD eingebunden. Auch für das erste Obergeschoß wurde ein Grundriß der nördlichen Teile gezeichnet. Das ausgebaute Dachgeschoß und der Spitzboden wurden durch einen Längsschnitt erfaßt. Besonderes Augenmerk galt dem Anschluß des Cecilienhauses an das Südquerhaus der Klosterkirche. Hier wurde eine Ansicht der Kirchenwand im Bereich des Dach- und ersten Obergeschosses des Cecilienhauses gezeichnet. Dabei kamen unter anderem die Spuren der mittelalterlichen Dachanschlüsse zum Vorschein. In der zweiten Kampagne wurden die Innenwände des heutigen Heizungskellern am Südende des Cecilienhauses aufgenommen.

Zu allen bearbeiteten Flächen fertigten die Studenten Kurzgutachten an, die Raumbuchseiten, eine Dokumentation der Details, der Materialien, der Schäden und der bauhistorischen Befunde sowie eine Auswertung und einen Bauphasenplan enthalten. Erklärende Skizzen und Rekonstruktionszeichnungen der Gebäude- oder Bauteilentwicklung vervollständigen die Arbeiten.

Bauaufnahme im Kornhaus. Foto Soerensen 2001.

Diskussion über die Ergebnisse. Foto Soerensen 2001.

Das Kornhaus, Ansicht von N. Foto Soerensen 2001.

Bauhistorische Befunde im Cecilienhaus

An den Bauten der mehrfach veränderten, überbauten und wieder rekonstruierten Klausur stellt sich die Frage, welche Gebäudebereiche oder Bauteile noch aus dem Mittelalter stammen und welche u.a. den Neubaumaßnahmen von 1911 zuzurechnen sind. Von den Gebäuden der Klausur ist nur wenig erhalten, lediglich die Kellerräume des ehemaligen Konversenflügels im Westen, Überreste des nördlichen Kreuzgangs und wenige verstreute Mauerreste. Im Ostflügel, dem heutigen Cecilienhaus, ist im Erdgeschoß noch die meiste mittelalterliche Substanz erhalten. Erkennbar ist noch die alte Raumabfolge. Ein tonnengewölbter Raum, die damalige Bibliothek des Klosters, schließt sich im Süden an die Sakristei der Kirche an. Durch eine Tür gelangt man von der Bibliothek in den wichtigsten Raum des Klosters, den Kapitelsaal, dessen Architektur von einer klaren Schlichtheit bestimmt ist. Auf zwei kräftigen Pfeilern ruhen zwischen Gurtbögen die Kreuzgratgewölbe. Er diente den Brüdern als Versammlungsstätte. 2001/2002 wurde er wieder in seinen spätromanischen Strukturen hergestellt. Des weiteren fügen sich die Treppe für die Erschließung des Obergeschosses und ein Durchgang an, der von dem Kreuzgang zu den damaligen Gärten östlich der Klausur führte. Auch ist noch ein mit zwei Kreuzrippengewölben ausgestatteter Raum im Erdgeschoß vorhanden. Er war wahrscheinlich das Parlatorium oder das Auditorium des Klosters. Demnächst soll auch dieser Raum restauriert werden. Vom anschließenden Brüdersaal, dem Arbeitsraum der Zisterzienser, läßt sich nichts mehr erkennen. In diesem Gebäudetrakt befindet sich heute eine Küche.

Studentenarbeit zum Anschluß des Cecilienhauses an das Südquerhaus der Klosterkirche. Schritt 1: Lageplan der Klausur mit Angabe der bearbeiteten Bereiche.

Schritt 2: Zusammentragen der bisher bekannten Tatsachen, historisches Bildmaterial, Quellen.

Schritt 3: Dokumentation des Ist-Zustandes durch Aufmaß, Skizze, Beschreibung und Foto. Gut zu erkennen sind Flickungen im Mauerwerk, die auf verschwundene Dachanschlüsse hinweisen.

Der östliche Flügel des Kreuzganges ist in den zwanziger Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts aus altem Material eingeschossig und über seine ursprüngliche Kantenlänge hinaus wieder aufgebaut worden.

Im Obergeschoß des Ostflügels war das Dormitorium untergebracht. Dieser Raum besaß einen Zugang über eine Holztreppe zum südlichen Querhaus der Kirche. Das Obergeschoß, in dem sich heute Büroräume befinden, weist keine mittelalterlichen Strukturen auf. In den 1950er und 1990er Jahren wurden vermutlich Räume neu geteilt oder zusammengelegt. Die Verbindung zwischen dem ehemaligen Dormitorium und der Kirche wurde geschlossen. Heute erinnert nur noch ein Loch in der Wand an den ehemaligen Übergang. Das Gebäude präsentiert sich heute als zweigeschossiger Backsteinbau mit einem Dachgeschoß. Die Außenmauern könnten allerdings noch Relikte aus dem Mittelalter sein. In die dicken, massiven Außenwände sind Rundbogenfenster eingelassen. Im Dachgeschoß sind unterschiedlich große Gauben in Fachwerk ausgeführt. Die Verformungen in der Decke und im Fußboden des Dachgeschosses weisen auf eine Fachwerkkonstruktion hin. Im nördlichen Teil des Dachgeschosses befindet sich eine Treppe, die direkt auf die oberste Ebene des Cecilienhauses führt.

Hier wird die Dachkonstruktion sichtbar. Die Dämmung ist neuwertig und demzufolge auf die Restaurierung zwischen 1990 – 96 zurückzuführen. Die Wände der Gauben bestehen aus Kalkmörtel und stammen vermutlich aus der Vorkriegszeit. Weitere Indizien für diese Entstehungszeit des Daches sind die einheitliche Konstruktionshöhe, gleiche Balkenüberstände, die Sparrendachkonstruktion und die glatte Seitenfläche der Balken, die wahrscheinlich mit einer Kettensäge geschnitten worden sind. Dennoch gibt es Balken, die gebeilt wurden, was selten nach 1600 geschah. Auf den Kehlbalken sind römische Ziffern eingekerbt. Auf diesen Balken befanden sich ebenfalls Farbreste, Löcher, Kerbungen und Erdreste, was die Vermutung bestärkte, daß die Balken bei einer früheren Dachkonstruktion zum Einsatz kamen. Vermutlich wurde der Ostflügel der Klausur oder zumindest das Dach aus altem Material wieder aufgebaut.

Schritt 4: Raumbuchblatt mit Befundfoto mit Wandnummer und Maßstab.

Schritt 4: Raumbuchblatt mit Positionsnummer, textlicher Beschreibung und Interpretation/Bemerkung.

Schritt 5: Isometrische Darstellung.

Über eine Treppe vom südlichen Querhaus der Kirche gelangt man in den nördlich abgetrennten Dachstuhl des Klausurgebäudes. Hier wird der Anschluß des Daches der Klausur an das aufgehende Mauerwerk der Klosterkirche sichtbar. Die Wand, die in der ersten Bauphase der Klosterkirche errichtet worden sein muß, ist im märkischen Verband gebaut worden. Dieser zeichnet sich durch die Aneinanderreihung zweier Läufer an einen Binder aus. Daß die Herstellungsmethoden zur Zeit der Errichtung noch weitgehend durch Unerfahrenheit geprägt waren, erkennt man an den groben Preßspuren der einzelnen Steine. Da die Nutzung von Ziegelsteinen nur als Ersatzbauweise angesehen wurde, versuchte man, durch eine Scharrierung Naturstein zu imitieren. Dieser Arbeitsgang wurde allerdings nur an sichtbaren Ziegelwänden angewandt. Die Kirchenwand wurde mit Hilfe eines Holzgerüstes errichtet. Von diesem Arbeitsgang sind noch die Gerüstlöcher in der Wand zu erkennen. Auf der Kirchenwand befinden sich Mörtelreste, die auf ein altes Dach oder mehrere alte Dächer hindeuten. Dieses Dach liegt unterhalb des heutigen und wurde an den Dachziegeln rechts- und linksseitig vermörtelt. Diese Art der Vermörtelung wurde im Mittelalter benutzt, um eine Anschlußfuge abzudichten. Das technische Merkmal weist darauf hin, daß an dieser Stelle das originale Dach des Ostflügels der Klausur war. Auf der linken Wandseite gibt es drei Mörtellinien, die auf mehrere Veränderungen des Daches hinweisen. Das erste Dach müßte in der frühen Bauphase bis 1231 errichtet worden sein. Durch die Fertigstellung des Kreuzganges könnte es sein, daß das Dach verbreitert werden mußte. Nach der Verweltlichung des Klosters und der Verwandlung in ein kurfürstliches Amt ab 1542 wurde der Kreuzgang zweigeschossig, was eine Veränderung des Daches mit sich gezogen haben könnte. Erneuerte Ziegel weisen auf ein weiteres größeres Dach hin, daß eventuell im Zuge des Ausbaus der Klausur zum Schloß verändert wurde. Zwischen1871-77 wurde die Kirche neu aufgebaut. Zu diesem Zeitpunkt erhielt das Dach wahrscheinlich seine heutige Form.

Der Ostflügel der Klausur wird in ein „Haus der Ruhe“, in dem sich u.a. Übernachtungsmöglichkeiten befinden sollen, umgebaut. Bei den geplanten Baumaßnahmen werden weitere interessante baugeschichtliche Befunde am Bauwerk sichtbar werden.

Schritt 3: Dokumentation, Bleistiftzeichnung im Maßstab 1:20, Bleistift auf Karton.

Schritt 4: Kartierung der Befunde, Positionsnummernplan mit Referenz auf das Raumbuch.

Schritt 5: Interpretation der Befunde und farbige Darstellung der Baugeschichte im Bauphasenplan.