startseite

Der Hochmeisterpalast auf der Marienburg (Malbork/ Polen)

Leitung:
Prof. Dr. Christofer Herrmann

studentische Mitarbeiter:
Constanze Bieber

Projekt

Ein auf drei Jahre angelegtes DFG-Forschungsprojekt, angesiedelt am Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der TU-Berlin, widmet sich dem Hochmeisterpalast auf der Marienburg, der ehemaligen Residenz des Hochmeisters des Deutschen Ordens (Projektbeginn: Juli 2015). Dabei werden zwei Forschungsschwerpunkte bearbeitet:

Der Hochmeisterpalast auf der Marienburg – eine Fürstenresidenz des späten Mittelalters

Der am Ende des 14. Jahrhunderts errichtete Palast des Hochmeisters des Deutschen Ordens auf der Marienburg ist einer der herausragenden und wegweisenden spätmittelalterlichen Residenzbauten in Europa. Er besticht nicht nur durch die Modernität seiner architektonischen Formen, sondern auch durch eine ausgeklügelte Innenraumstruktur, die Repräsentationsabsichten, Verwaltungsnotwendigkeiten und private Komfortansprüche des Fürsten miteinander in Einklang brachte. Die Planungskonzeption des Palastes beruhte auf der Integration von Verwaltungsorganen (Kanzlei, Archiv, Schatzamt) mit den Wohn- und Herrschaftsbereichen des Hochmeisters als jeweils örtlich fest installierte Einrichtungen. Damit wurden Prinzipien moderner Regierungs- und Verwaltungstechniken in der Zeit des Übergangs von der mittelalterlichen Reise- zur modernen Territorialherrschaft in gebaute Architektur übertragen.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, die bauliche Struktur des Hochmeisterpalastes sowie die hierzu erhaltene schriftliche Quellenüberlieferung umfassend und systematisch zu erschließen und auszuwerten, damit die ursprüngliche Nutzungsstruktur rekonstruiert werden kann. Der fast unversehrt bis heute erhaltene Bau wird zu diesem Zweck durch eine genaue Dokumentation (3D-Laserscan, Raumbuch) sowie eine quellengestützte bauhistorische Analyse untersuchen und in den Kontext der europäischen Residenzanlagen des späten Mittelalters eingeordnet.

       
  • Abb. 1 Ansicht der Marienburg von der Nogatseite (2007)
  • Abb. 2 Grundriss des Westflügels im Mittelschloss mit Raumnutzungszonen des Hauptgeschosses
  • Abb. 3 Der Hochmeisterpalast von Südwesten (2016)
  • Abb. 4 Innenansicht des Sommerremters in Richtung Nordosten (2016)
  • Abb. 5 Grundriss von Ebene 3 des Hochmeisterpalastes mit Rekonstruktion der Raumfunktionen (Hermann, 2008)

    (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Die Wiederentdeckung des Hochmeisterpalastes auf der Marienburg um 1800 und die ‚romantische‘ Restaurierung ab 1817

Der Hochmeisterpalast war für die Ausbildung des modernen Denkmalpflegegedankens sowie des frühen preußischen Patriotismus‘ um 1800 von herausragender Bedeutung. Dies gilt einerseits für die propagandistische Rolle, die der Marienburg unter König Friedrich Wilhelm III. zufiel, als auch für den Einfluss der Marienburg auf das Werk Friedrich Gillys und Karl Friedrich Schinkels (Wiederentdeckung des Sichtbacksteins als Baumaterial, Entstehung der Neugotik), die sich beide intensiv mit der Architektur des Hochmeisterpalastes auseinandergesetzt haben. Initiator und Motor der 1817 begonnenen ersten Restaurierung war der westpreußische Oberpräsident Theodor von Schön. Im Rahmen des Forschungsprojekts soll den geisteshistorischen Beweggründen der Wiederentdeckung der Marienburg um 1800 nachgegangen werden. Daneben widmet sich das Projekt der technischen und praktischen Vorgehensweise bei dieser ersten modernen Wiederherstellung im Sinne einer modernen Denkmalpflege im deutschen Kulturraum.

   
  • Abb. 6 Portal zur Kanzlei in Ebene 2 (2016)
  • Abb. 7 Ansicht des Hochmeisterpalastes von Westen nach der ‚romantischen‘ Restaurierung. Aquarell von Johann Carl Schultz (um 1845). (Marienburger Schlossmuseum)
  • Abb. 8 Isometrie der Nordwestecke des Hochmeisterpalastes auf Grundlage eines 3D-Scans von 2016 (BIM-Point).
    (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Prof. Dr. Christofer Herrmann (Kurzvita)

Geb. 1962 in Mainz. Studium der Kunstgeschichte, deutschen Volkskunde, Slawistik und Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 1993 Promotion mit einer Arbeit über spätmittelalterliche Wohntürme im Rhein-Mosel-Gebiet. 1995-2005 außerordentlicher Professor am Lehrstuhl für Germanistik der Universität Olsztyn/Allenstein (Polen). 2005 Habilitation an der Universität Greifswald („Mittelalterliche Architektur im Preußenland“). Seit 2006 außerordentlicher Professor am Institut für Kunstgeschichte der Universität Gdansk/Danzig. Ab 2015 Durchführung eines Forschungsprojekts zum Hochmeisterpalast auf der Marienburg an der TU Berlin. Forschungsschwerpunkte: Architektur des Mittelalters, insbesondere Fragen der Bauorganisation und –finanzierung; Problematik der Kunstlandschaft; statistische Verfahren zur Architekturanalyse; Denkmalpflege im 19. Jh.