startseite

Ziesar, Burg

D-14793 Ziesar, Landkreis Potsdam-Mittelmark, Bundesland Brandenburg

In Kooperation mit: Amt und Gemeinde Ziesar
Entwicklungsgesellschaft GWS GmbH
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum

Leitung: Dipl.-Ing. Stefan Breitling
Betreuung: Norbert Hauck, Barbara Perlich, Arne Semmler,
Zeitraum: 15.05.-19.05.2000 und 07.05.-11.05.2001

Ziesar war die Residenz der Bischöfe von Brandenburg, die im 14. Jahrhundert über einem slawischen Vorgängerbau eine stark befestigte Burg mit Vorburg und Wallanlagen anlegten. Im 15. und 16. Jahrhundert entstanden verschiedene Bauten, unter anderem erhielt der Bergfried einen Zinnenkranz in Renaissanceformen.1470 wurde die wegen ihrer reichen Dekoration und Ausmalung bedeutende Schloßkapelle geweiht. Im 19. Jahrhundert wurde die Burg als Gutsgehöft genutzt. Zu DDR-Zeiten diente sie als Internat. Das Burggebäude enthält Reste eines mittelalterlichen Bauwerkes und Wohnräume des Bischofs, die zusammen mit der Kapelle 1470 errichtet wurden. Verschiedene Einbauten entstanden 1728, um 1840 und in unserem Jahrhundert.


Abb. 1 Stadtplan von Ziesar mit der Lage der Burg, Karte von 1861, Staatsbibliothek Berlin
Abb. 2 Ziesar, Ansicht der Klosterkirche und der Burg. Kupferstich von Paetzold 1710, Ausschnitt
Abb. 3 Ziesar, Innere Burg. Von links nach rechts die Kapelle, die Tordurchfahrt, der Palas und das östliche Burggebäude. Foto Breitling 2000


Abb. 4 Ziesar, das östliche Burggebäude und der Bergfried von Nordosten. Foto TU Berlin 2001
Abb. 5 Ziesar, Kartierung der Außenwand des östlichen Burggebäudes. Man erkennt das regelmäßige Feldsteinmauerwerk der Gründungsphase im Sockelbereich und zahlreiche spätere Veränderungen. TU Berlin 2001
Abb. 6 Ziesar, östliches Burggebäude. Der untere Bereich ist stark nach außen geneigt, darüber stehen die Wände der späteren Bauphasen gerade. Foto Breitling 2000

Während die Burgkapelle überregional bekannt ist, waren die östlich anschließenden Burggebäude bisher wenig beachtet worden. Die historische Bauuntersuchung des Landesamtes für Denkmalpflege und der TU Berlin ergaben, daß sich noch einige Raumfolgen, Säle und Wohnräume der Bischöfe aus mehreren mittelalterlichen Bauphasen rekonstruieren lassen. Das brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege hat im Sommer 1999 photogrammetrische Ansichten der Hoffassade des Burggebäudes und einen Teilgrundriß des zweiten Obergeschosses erstellt. Dabei kamen auch in den profan genutzten Räumen wertvolle mittelalterliche Farbfassungen, teils mit Maßwerkornament, teils figürliche Darstellungen zu Tage, die denjenigen der Kapelle in nichts nachstehen. Bei den beiden Bauaufnahme-Übungen der TU Berlin mit je 35 Studenten des vierten Semesters wurden die Grundrisse des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses im Maßstab 1:25 gezeichnet. Der an die Kapelle anschließende sogenannte Palas wurde in einem Querschnitt nach Westen und einem Längsschnitt nach Norden dargestellt, außerdem entstand eine Zeichnung der Giebelwand zur angrenzenden Kapelle. In der zweiten Kampagne wurde das weiter östlich anschließende, heute zweigeschossige Burghaus vermessen. Für alle Räume wurde ein Raumbuchblatt erstellt. Darüber hinaus entstanden verschiedene Skizzen und Überlegungen zum konstruktiven Gefüge und zu den Bauphasen.


Abb. 7 Ziesar, Querschnitt durch das östliche Burggebäude nach Norden, M. 1:25 im Original. TU Berlin 2001
Abb. 8 Ziesar, östliches Burggebäude, Raumbuchblatt. TU Berlin 2001
Abb. 9 Ziesar, Torhaus, Reste der pietra rasa. In die dünne Kalkschlämme, mit der das Feldsteinmauerwerk überzogen war, ist ein feines Liniennetz eingeritzt. Foto Breitling 2000
Abb. 10 Ziesar, Grünmalerei in einem Wohnraum des Obergeschosses. Freilegung durch SITTE. Foto TU Berlin 2000
Abb. 11 Ziesar, Palas, Detail der nördlichen Eingangstür. Im 18. Jahrhundert wurde die Burg nach Norden geöffnet. Aufmaß TU Berlin 2000


Die Burg Ziesar ist eine Ringmauerburg, das heißt, die Gebäude lagen innerhalb der mehrfach gebrochenen, ringförmig geschlossenen inneren Verteidigungsmauer. Die genaue Vermessung zeigte, daß die Wandstärken der Umfassungsmauer aus Feldsteinen derjenigen der Hofmauer gleicht. Die Burg des 13. Und 14. Jahrhunderts war also bereits als repräsentativer Steinbau geplant worden. An den Knickpunkten war der Grundriß in mehrere Abschnitte geteilt. Der große Saal im Erdgeschoß des sogenannten Palas besaß eine Fußbodenheizung. Zur Erbauungszeit der Kapelle um 1470 und bis um 1500 wurde ein Torbau errichtet. Die Obergeschosse über den alten Feldsteinwänden wurden mit Backstein erneuert und zu mehrräumigen Wohnungen ausgebaut. Direkt im Anschluß an die Kapelle und mit ihr durch einen Gang verbunden lagen über einem großen Saal die bischöflichen Gemächer. Im östlichen Gebäudeteil wurde ein Appartement eingebaut, dessen reich profilierte Deckenbalken erhalten sind. Der Raum darüber diente als Gerichtstube, an den Wänden befinden sich zwei übereinander liegende farbige Fassungen. Auf der unteren ist eine Landschaft mit Flüssen, Städten und Burgen dargestellt, darüber befinden sich figürliche Darstellungen. Nachdem Ziesar nach der Reformation zur kurfürstlichen Domane umgenutzt wurde, begann man 1724 mit dem Umbau der Burg zum Schloss. Dazu wurde der nördliche Teil des Burggebäudes entkernt und mit einer neuen Geschossteilung versehen. Fachwerkwände trennten die einzelnen Zimmer ab. Eine eigene Fassade nach Norden mit Auffahrt und ein Walmdach ließen diesen Gebäudeteil als eigenständiges Haus erscheinen. Das östlich anschließende Gebäude erhielt in großen Teilen ein neues erstes Obergeschoss. Um 1840 fanden weitere Umbauten statt, nach 1953 wurden die Gebäude zum Internat ausgebaut.


Abb. 12 Ziesar, Giebel des Palas. Innenseite mit Kamin, der eine Wohnnutzung belegt und ursprünglicher Dachschräge. Foto TU Berlin 2000
Abb. 13 Ziesar, Palas, Westliche Giebelwand, Detail. Das heute unter dem Dach des Torhauses gelegene Rautenmuster zeigt, daß die Giebelwand des Palas ursprünglich frei sichtbar war. Aufmaß TU Berlin 2000
Abb. 14 Ziesar, Palas, Grundriß und Längsschnitte DG. Kartierung des Abbundsystems. TU Berlin 2000
Abb. 15 Ziesar, Palas, Rekonstruktion des Dachwerkes von 1745 (d). CAD-Zeichnung TU Berlin 2001
Abb. 16 Ziesar, östliches Burggebäude. Rekonstruktion der Raumaufteilung für die Internat-Nutzung zu DDR-Zeiten. Unter dem hohen Veränderungsdruck verschwinden gegenwärtig die jüngeren Bauphasen weitgehend undokumentiert. Wie die älteren auch gehören sie aber zur Geschichte der Burg dazu. Isometrie TU Berlin 2001


Die Burg soll in den nächsten Jahren Schritt für Schritt zum Museum ausgebaut werden. Die studentischen Bauaufnahmen von 2000 und 2001 tragen mit der Planerstellung und der bauhistorischen Untersuchung zur Grundlagenermittlung für die Sanierung und zur Dokumentation des Bestandes dieses hochrangigen Baudenkmals bei.

Stefan Breitling


Literatur:

EBERT, W.: Stadt und Burg Ziesar, in: Brand. Ksp. 8. 1986
Kunstdenkmäler-Inventar Sachsen, Landkreis Jerichow I, Halle a.d.S. 1898
Amt Ziesar: Bürgerinformation Nr. 8, Mai 1999