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Villa Spessa in Carmignano di Brenta

Leitung: Dr.-Ing. Stefan Breitling, Dr. Martin Gaier

Das interdisziplinäres Projekt beschäftigt sich mit dem vorpalladianischen, frühen Villenbau im Veneto. Ziel ist es, die Traditionen im norditalienischen Villenbau und in der Anlage von ländlichen Adelssitzen von der Antike über das Mittelalter und die Renaissance bis heute zu untersuchen. Das in Kooperation durch das Kunsthistorische Seminar der Universität Basel und die TU Berlin durchgeführte Projekt soll den ersten umfassenden Beitrag zur Erforschung der Villenkultur des Veneto in der Frührenaissance erbringen.

Abb.1: Carmignano di Brenta, Villa Spessa, Besitzungen von 1675 im Verhältnis zur heutigen Situation
Abb.2: Villa Spessa, Ansicht von Süden mit Resten der Fassadenmalerei und Baubefunden. Foto: Breitling 2001.

Villa Spessa ist ein architektonisch bedeutender Baukomplex des späten 15. Jhs. mit wertvollen Resten an Fassaden- und Wandmalerei aus mehreren Bauphasen. Das Gebäude steht leer und ist stark vom Verfall bedroht. Zum Komplex, der bis ins 18. Jh. extensiv wirtschaftlich genutzt wurde, gehören eine freistehende spätgotische Kirche, Wirtschaftsgebäude, Kanäle, Zufahrtsstraßen und Felder. Die Kulturlandschaft ist weitgehend erhalten. Zahlreiche Baubefunde belegen die Entwicklung vom landwirtschaftlichen Nutzbau zum repräsentativen Wohngebäude. Durch die Bauuntersuchung lassen sich Aussagen zur Raumanordnung und zum Erschließungssystem in den unterschiedlichen Nutzungsphasen machen. Es zeigt sich, das der bekannte, durch die Villenbauten Palladios geprägte Gebäudetypus erst im 15. Jahrhundert durch die Aufnahme lokaler Traditionen und ihre Anpassung an die Bedürfnisse der venetianischen Patrizierfamilien entstand. Diese Beobachtungen lassen sich auf andere erhaltene frühe Villenbauten auf der terra ferma übertragen. Der heutige Zustand der Bauten wird nicht zuletzt auch durch weitere Veränderungen während des 17. bis 19. Jahrhunderts bestimmt. Die Erhaltung der oft geringen, für das Verständnis der kulturgeschichtlichen Zusammenhänge aber entscheidenden Befunde stellt eine Herausforderung an die Denkmalpflege dar.


Abb.3: Villa Spessa, Grundrisse EG und 1. OG mit Bauphasen. Zeichnung: Breitling/Gaier 2003.
Abb.4:

Villa Spessa, Isometrische Darstellung der Bauphasen. Rekonstruktionsvorschlag: Breitling/Gaier 2003.

Abb.5: Villa Spessa, Südfassade, Detail der Fassadenmalerei. Foto: Gaier 2001.
Abb.6: Villa Spessa, nachträglich eingebautes Treppenhaus mit Resten der Dekoration des ehemaligen südwestlichen Wohnraumes im ersten Obergeschoss. Foto: Breitling 2001.




Literatur: BREITLING, Stefan; GAIER, Martin: Villa Spessa in Carmignano. Villenkultur im Veneto vor Palladio. In: GAIER, Martin; NICOLAI, Bernd; WEDDIGEN, Tristan (Hgg.): Der unbestechliche Blick. Lo sguardo incorruttibile. Festschrift Wolfgang Wolters. Trier 2005, S. 193-205.