startseite

Die Antike – Unsere Wurzeln

Prof. Dr.- Ing. Stefan Breitling Beginn: 23.10.2007, WS07/08
Vorlesung Dienstag 18:15-19:45 Uhr, A 151

  06.11.2007  Ägypten – Grabbauten, Tempel und Paläste im Alten, Mittleren und Neuen Reich
  Mit den Ägyptischen Grab- und Tempelbauten erreicht die Menschheit im Dritten Jahrtausend v. Chr. einen frühen und sowohl in seiner architektonischen Schlichtheit als auch in der Haltbarkeit seitdem unübertroffenen Höhepunkt des monumentalen Steinbaus. Die Besonderheiten der Lebensbedingungen am Nil prägten die ägyptische Kultur, die die Städte der Lebenden auf der Ostseite, die Grabstätten als Abbilder dauerhafter Wohnungen auf der Seite des Sonnenunterganges am Rande der Wüste anlegte. Zu Beginn des Alten Reiches war plötzlich der architektonische Kanon vorhanden, der rund zweieinhalb Jahrtausende Gültigkeit besitzen und nur in Nuancen immer weiter entwickelt werden sollte. König Djoser (um 2635-2615 v. Chr.) aus der 3. Dynastie ließ von seinem Architekten Imhotep, der später als mystische Gestalt verehrt wurde, einen weitläufigen Grabbezirk nahe der alten Hauptstadt Memphis bei Saqqara errichten. Die Anlage ahmte eine Stadt mit einer turmbewehrten Mauer nach, in deren Schutz sich Totentempel, Festhöfe und Kapellen um die Stufenpyramide gruppierten, unter der das Grab des Pharaos lag. Die Scheinfassaden aus Stein sind monumentale Darstellungen der zu dieser Zeit zumeist aus Holzgerüsten und Schilfmatten errichteten Heiligtümer. Dieses mimetische (nachahmende) Prinzip der Formfindung lag auch der Gestaltung der Säulen und Kapitelle zugrunde, die aus den Papyrus- und Lotospflanzen abgeleitet wurden. Auf gewaltigen Arealen entstanden die großen Pyramiden, wie die Pyramide des Cheops in Gizeh aus der 4. Dynastie, um 2500 v. Chr., die mit 227 m Seitenlänge und 146 m Höhe zu den größten Bauwerken der Antike gehört. Die riesigen Steinblöcke für den Bau wurden mit Doleritkugeln, Bronzehacken und Hebeln entweder vor Ort aus dem Felsplateau gebrochen, oder sie kamen aus weit entfernt liegenden Steinbrüchen und wurden auf Schiffen den Nil herunter auf die Baustellen transportiert, auf denen tausende von Arbeitern jahrzehntelang mit dem Bau der königlichen Bauten beschäftigt waren. In deren Schatten lagen die bescheideneren Gräber (Mastabas) der Familienangehörigen und Hofleute. Während die meisten profanen Bauten aus Lehmziegeln errichtet waren, wurden die Tempel nach und nach als Steinbauten aufgeführt. Die Konstruktion bestand vor allem aus dicht beieinander stehenden Steinpfeilern, die mit Steinbalken und -platten abgedeckt wurden. In der Hauptstadt des Neuen Reiches Theben, dem heutigen Luxor, gaben Prozessionsstraßen wie die zum Staatsheiligtum, dem Amun-Tempel in Karnak, die Ausrichtungen der Stationstempel vor. Der Tempel von Luxor wurde in mehreren Bauphasen errichtet. Vor den mit Reliefs geschmückten Kammern, in denen die Kultbilder und Barken aufbewahrt wurden, lagen Säulenhöfe, Kolonnaden und schließlich die Pylone, die das Tor flankierten und vor denen Obelisken und Sphingen aufgestellt wurden.

ARNOLD, Dieter: Lexikon der Ägyptischen Baukunst. 1994
WILDUNG, Dietrich: Ägypten. Von der prähistorischen Zeit bis zu den Römern. Köln 1997.

  Saqqara, Grabbezirk des Königs Djoser, Stufenpyramide. Altes Reich, 1.-3. Dynastie, 2778-2723 v. Chr.Saqqara, Grabbezirk des Königs Djoser, Grundriss der Gesamtanlage. Altes Reich, 1.-3. Dynastie, 2778-2723 v. Chr. Aus: ARNOLD 1994.
  Saqqara, Grabbezirk des Königs Djoser, „Kapelle“ am Festhof. Altes Reich, 1.-3. Dynastie, 2778-2723/2650 v. Chr. Aus: WILDUNG 1997, S. 36.Oben: unterägyptisches Kronenheiligtum Per-nu. Unten: Frühdynastisches Heiligtum. Rekonstruktion: RICKE
  Saqqara, Grabbezirk des Königs Djoser, Nordhalle der Scheinpaläste, Halbsäulen. Offene Papyrusdolde. 3. Dynastie, 2650 v. Chr. Aus: WILDUNG 1997, S. 18.Gizeh, Pyramide des Cheops, 227 m Seitenlänge, 146 m Höhe. Altes Reich, 4. Dynastie, um 2500 v. Chr. Mastabas, 4. und 5. Dynastie. Aus: WOLFF 1993.
  Gizeh, Planierter Baugrund der Pyramide des Chephren. Altes Reich, 4. Dynastie, um 2500 v. Chr. Aus: WILDUNG 1997, S. 53.El-Bersheh, Grab des Dhutihotep, Relief mit Darstellung des Transports einer Statue auf einer Schleife. Neues Reich, 18. Dynastie. Aus: NEWBERRY 1900, Pl. XV.
  Das hunderttorige Theben zur Zeit des neuen Reiches. Rekonstruktions-vorschlag: J.-C. GOLVIN.Luxor, Prozessionsstraße mit Sphinxallee nach Karnak, Pylone Ramses II., Fehlender Obelisk 1831 nach Paris. Foto: Breitling 2003.
  Luxor, Stationstempel für die Welterneuerungsriten der Triade von Theben Amun, Mut und Chons, Grundriss mit Bauphasen. Amenhotep III. (1391-1353), Tutanchamun (1348-1338), Ramses II. (1290-1224). Aus: ARNOLD 1994, S. 142.Luxor, Tempel, Säulenhof Amenhotep III. mit Papyrusbündelsäulen, um 1391-1353 v. Chr. Foto: Breitling 2003.