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Die Antike – Unsere Wurzeln

Prof. Dr.- Ing. Stefan Breitling Beginn: 23.10.2007, WS07/08
Vorlesung Dienstag 18:15-19:45 Uhr, A 151

  13.11.2007  Griechische Antike 1 – Minoische Paläste und Archaischer Tempelbau
  Die Vorstellung der Griechen von dem, was Architektur sei, prägt die europäische Baugeschichte bis heute. Die griechische Baukunst entwickelte sich über viele Jahrhunderte hinweg. Die Ausgrabungen von Heinrich Schliemann und seinen Nachfolgern zeigen, dass die mythischen Erzählungen von den Anfängen der griechischen Kultur, dass die Gesänge Homers und seines Kreises eine materielle vorgeschichtliche Grundlage haben. Trotz der Völkerwanderungen des 2. Jahrtausends v. Chr. blieben die Themen der Monumentalarchitektur auf den Inseln und in den Ländern um die Ägäis weitgehend dieselben. In Troja liegen viele Siedlungsschichten übereinander, die von der frühen Bronzezeit Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. bis in die mykenische Zeit um 1150 v. Chr. jeweils einen Mauerring aus Lehmziegeln, Fachwerkhäuser auf Natursteinsockeln und im Zentrum der Anlage eine Burg aufweisen. Die lang gestreckte Halle des Königs in der Mitte, das Megaron, besaß im Innenraum einen Herd und im flachen Dach darüber eine Rauchöffnung. Vor dem Hauptraum lag ein zum Hof offener Gebäudeteil, ein Vorraum, dessen Dach durch Säulen gestützt wurde. Klar ablesbar sind die vertikalen tragenden Teile der Konstruktion, Mauern und Säulen, und die lastenden horizontalen Bauteile, Decken und flache Dächer. Bei den unbefestigten Palästen auf Kreta wurden diese Grundtypen zu komplizierten Raumabfolgen gruppiert. In der mykenischen Kultur umgaben Mauern aus gewaltigen, polygonal zugeschnittenen Steinblöcken die zentralen Bauten. Aus dem Megaron und dem davon abgeleiteten Heroon entwickelten sich sowohl der archaische griechische Tempel, wie auch das bis in die späte Klassik hinein übliche Privathaus, der Oikos.

KORFMANN, Manfred; MANNSPERGER, Dietrich: Troja. Ein historischer Überblick und Rundgang. Stuttgart 1998.
STIERLIN, Henry: Griechenland - Von Mykene zum Parthenon. Köln 1997.
  Der Siedlungshügel Hisarlik (Troja), Ansicht von Norden, Luftbild. Aus: KORFMANN/MANNSPERGER 1998, Abb. 50.Troja, Schliemann-Graben. Foto: Breitling 2001.
  Troja, Burgberg, Modell der Phasen II und VI. Troja, Museum. Foto: Breitling 2001.Knossos, Palast, Grundriss Hofebene, Anfang 16. Jahrhundert v. Chr. Aus: PENDLEBURY 1939.
  Knossos, Palast, ThronsaalKnossos, Palast, Westflügel, Hofansicht. Akkumulierende Architektur. Rekonstruktionsvorschlag. Aus: EVANS 1928, III 2.
  Architektur als Gleichgewicht der Kräfte. Aus: MÜLLER/VOGEL 1974, S. 26, Ausschnitt.Mykene, Löwentor, um 1250 v. Chr., 3 x 3 m, Bronzebeschläge, Sturzblock 20 t. Aus: STIERLIN 1997, S. 24.
  Thronende Göttin aus Grammichele bei Syrakus, Terrakotta, 96,8 cm., ca. 490 v. Chr. Syrakus, Archäologisches Museum. Aus: NIEMEYER/PÖRTNER S. 1166.Thermos, Apollon-Heiligtum, Megaron 1, Tempel 2, 3. Aus: NIEMEYER/PÖRTNER 1981.
  Olympia, Vorgeschichtliche Kultstätten und Bebauung. Aus: MALLWITZ 1972, Abb. 70.