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Die Antike – Unsere Wurzeln

Prof. Dr.- Ing. Stefan Breitling Beginn: 23.10.2007, WS07/08
Vorlesung Dienstag 18:15-19:45 Uhr, A 151

  20.11.2007  Griechische Antike 2 – Klassischer Tempelbau
  Mit dem klassischen Tempel verwirklichten die Griechen im 6. und 5. Jh. v. Chr. eine Architektur, die in Anlehnung an den Körperbau der Lebewesen allansichtig und nach außen orientiert aus tragenden und lastenden Bauteilen harmonisch und körperhaft zusammengesetzt erschien. Alle Teile wiesen unter sich und zum Ganzen die gleichen Proportionen auf. In der strengen dorischen Säulenordnung kommt dieses gliederhafte tektonische Prinzip am klarsten zum Ausdruck. Am Zeustempel in Olympia, der zwischen 470 und 456 v. Chr. entstand, wurde ein einheitliches Massystem mit dem Interkolumnium von 16 Fuß als Grundlage aller weiteren Maße verwendet. Die Tempel wurden soweit wie möglich aus Steinblöcken zusammengesetzt, die mit Metallklammern mörtellos verbunden wurden. Die Kulthandlungen fanden vornehmlich am Altar vor dem Tempel statt. Erst allmählich gewann der Innenraum an Bedeutung. Auf der Akropolis in Athen wurde nach den Zerstörungen durch die Perserkriege unter Perikles, dem Bildhauer Phidias und den Architekten Kallikrates und Mnesikles mit dem Geld der Bundesgenossen ein gewaltiges Bauprogramm verwirklicht. Hauptwerk war der Parthenon, der Tempel der Stadtgöttin Athene, in dem die griechische Tempelarchitektur zur Reife der hohen Klassik kam. Kennzeichen hierfür sind neben den gestrafften klaren Einzelformen Korrekturen an der strengen Ordnung, wie die Kurvatur von Stylobat und Gebälk, die Inklination und Verstärkung der Ecksäulen und andere Maßnahmen, die die Lebendigkeit des Bauwerkes als Organismus betonen. Dem Parthenon liegen im Großen wie im Kleinen, im Grundriss wie im Aufriss die Proportionen 4:5 bzw. 4:9 zugrunde. Das monumentale Eingangstor zur Athener Akropolis, die Propyläen, die Mnesikles 447– 432 v. Chr. errichtete, sind eine Kombination mehrerer Gebäudeteile, deren Verbindung für die Anwendung der dorischen Ordnung eine besondere Herausforderung darstellte. Mit dem in zwei Bauphasen 421-414 und 409-406 v. Chr. erbauten Erechtheion gaben die Athener auch der ionischen Ordnung eine klare klassische Form.

GRUBEN, Gottfried: Die Tempel der Griechen. 1966.
MÜLLER-WIENER, Wolfgang: Griechisches Bauwesen in der Antike. München 1988.
  Zusammenstellung griechischer dorischer Tempelgrundrisse und Tempelfronten. Aus: MÜLLER-WIENER 1988, S. 141, 143.Olympia, Altis, Zustand in römischer Zeit. Modell: Alfred Mallwitz. Olympia, Museum.
  Olympia, Zeustempel. Um 470-456 v. Chr. Grundriss mit Entwurfssystem in Fuß. Aus: MÜLLER-WIENER 1988.Athen, Akropolis, Ansicht des Burgberges von Westen von der Pnyx. Aus: Klassik, Ausstellungskatalog.
  Athen, Akropolis, Lageplan. Nach: Manolis Korres. Aus: GRUBEN 2001.Athen, Akropolis, Parthenon, 447– 432 v. Chr. Ansicht von Westen. Foto: Cramer 2001.
  Cella des Parthenon. Rekonstruktion von Hans Kähler.Athen, Parthenon, Grundriss mit Proportionssystem. Zeichnung: Manolis Korres, bearb. Breitling 2007.
  Athen, Parthenon, Querschnitt nach Westen und Längsschnitt nach Norden mit Standbild der Athena Parthenos. Aus: STEVENS 1950.Athen, Parthenon, Schnittperspektive durch die Ostseite. Aus: Wiener Vorlageblätter.
  Doryphoros des Polyklet, um 440 v. Chr. Archäologisches Museum, Neapel.Dorische Ordnung des Parthenon in Athen, 447 – 432 v. Chr. Aus: Weltatlas der Architektur.
  Athen, Parthenon, 447 – 432 v. Chr. Südostecke mit Gebälk. Aus: Parthénon.Athen, Akropolis, Propyläen, Mnesikles 437-432 v. Chr. Ansicht von Süden. Foto: Hirmer.
  Athen, Akropolis, Propyläen, Mnesikles 437-432 v. Chr. Grundriss. Aus: GRUBEN 2001, Abb. 149.Athen, Erechtheion, 421-414/409-406 v. Chr. Ansicht von Südwesten. Foto: Cramer 2001.
  Athen, Erechtheion, 421-414/409-406 v. Chr. Grundriss. Aus: PATON/STEVENS u. a. 1927.Athen, Erechtheion, Osthalle, 421-414/409-406 v. Chr. Ionisches Eckkapitell. Aus: MAUCH, Taf. 23.
  Athen, Erechtheion, Nordhalle, 421-414/409-406 v. Chr. Ionisches Eckkapitell. Aus: PORPHYRIOS.