startseite

Die Antike – Unsere Wurzeln

Prof. Dr.- Ing. Stefan Breitling Beginn: 23.10.2007, WS07/08
Vorlesung Dienstag 18:15-19:45 Uhr, A 151

  04.12.2007  Griechische Antike 3 – Städtebau und kommunale Bauten
  Die von Mauern umwehrten Städte der Griechen wurden nach Königszeit und Tyrannis seit dem 6. Jh. v. Chr. zumeist demokratisch regiert. Die demokratische Verfassung Athens war Vorbild für die modernen Demokratien. Schauplatz des politischen Lebens war neben der Versammlungsstätte auf der Pnyx und dem Areopag die Agora, der Marktplatz, auf dem auch Recht gesprochen wurde und die Abstimmungen stattfanden. Die Hauptstraße der Stadt, die vom heiligen Tor in der Richtung des Heiligtums von Eleusis auf die Athener Akropolis führte, lief quer über die Agora. Der Platz wurde von einer Mauer umschlossen, die auf die religiöse Bedeutung des Zentrums des Gemeinwesens verwies. Auf seiner Westseite lagen unter dem Tempel des Hephaistos weitere Tempel und Weihestätten der Stadtgottheiten, das Buleuterion (Rathaus), die Tholos, ein Rundbau, in dem die Ratsherren auf Staatskosten verköstigt wurden, und das Strategeion. Vor diesen Bauten standen Denkmäler. In spätklassischer und hellenistischer Zeit erhielt zunächst die Südseite, später die Ostseite eine Stoa, eine mit Läden, Büros und Speiseräumen gesäumte Wandelhalle. Wurde ein Gemeinwesen zu groß, schickte man einen Teil der Bevölkerung aus, um anderswo eine neue Kolonie zu gründen. Auf diese Weise besiedelten die Griechen seit dem 7. Jh. v. Chr. neben Kleinasien auch die Küsten des Mittelmeeres. Neben den Städten gab es die Heiligtümer, die für das Gemeinschaftsgefühl der untereinander ständig verfeindeten Stadtstaaten von großer Bedeutung waren. Die wichtigsten waren Delphi und Olympia. Im Asklepios-Heiligtum von Epidauros entstand um 330/320 v. Chr. ein Theater, dessen Koilon in idealtypischer Weise in einen Hang eingeschnitten war. In Priene wurde Mitte des 4. Jhs. eine Stadt neu angelegt, die die systematische Stadtplanung der Gründungsstädte zeigt. Innerhalb der Stadtmauer wurde ein rechtwinkliges Straßennetz ohne Rücksicht auf das steile Gelände angelegt. Im Zentrum lagen ein Athena-Heiligtum mit dem großen ionischen Tempel des Pytheos und die Agora. Ein sorgfältig angelegtes Be- und Entwässerungssystem und eine große Anzahl kommunaler Bauten, wie das Buleuterion oder das Gymnasion zeigen den hohen Lebensstandard der Bewohner. Die Wohnhäuser waren zu allen Seiten von hohen Mauern umgeben. Den Kern bildete ein dem Megaron ähnelnder Hauptraum mit säulengestützter Vorhalle an dem zentralen Innenhof. Seitlich lag das mit Stuck und Malereien geschmückte Andron, in dem allabendlich die Männer des Haushalts zum Essen zusammentrafen. Wirtschaftsräume ergänzten die Anlage.

HOEPFNER, Wolfram; SCHWANDNER, Ernst-Ludwig: Haus und Stadt im klassischen Griechenland. 2. Aufl. 1994.
RUMSCHEID, Frank; KOENIGS, Wolf: Priene. Führer durch das „Pompeji Kleinasiens. Istanbul 1998.
THOMPSON, Homer A.: The Athenian Agora. A Guide to the Excavation and Museum. 2. Aufl. Athen 1962.
  Athen, Areopag und Agora mit Hephaistos-Tempel von der Akropolis aus gesehen. Foto: Cramer 2001.Athen, die Stadt um 100. Modell. Kopie des Modells von Travlos, Tsirf 1984, Dimitriadis 2001, Berlin, Antikensammlung. Aus: Klassik 2002, S. 663.
  Athen, Agora. Zustand im 3. Jh. v. Chr. Aus: TRAVLOS 1974.Athen, Agora, Stoa des Attalos von Nordwesten. Aus: THOMPSON 1962, Taf. VI.
  Epidauros, Theater, um 330/320 v. Chr. Aus: Diathek des FG Baugeschichte.Priene, Stadtzentrum mit Agora und Athena-Tempel von Süden. Foto: Breitling 2001.
  Priene, Stadtzentrum mit Agora und Athena-Tempel von Südosten. Stadtplan von Pytheos (?) um 352. Rekonstruktionsmodell: DAI.Priene, Westtorstraße, oberer Abschnitt nach Osten. Foto: Breitling 2001.
  Priene, Buleuterion, Ansicht nach Südosten. Foto: Breitling 2001.Priene, Buleuterion, 1. Bauphase mit 14,50 m Spannweite, Innenansicht nach Süden. Rekonstruktion. Aus: KRISCHEN 1941, Taf. 18.
  Priene, Neues Gymnasion, Grundriss. DAI Istanbul. Aus: RUMSCHEID 1998, Abb. 176.Priene, Haus 33, Westlicher Teil, Grundriss der 1. Bauphase. Zeichnung: W. Wilberg 1899. Aus: Priene 1904, Abb. 298.
  Priene, Haus 33, Westlicher Teil, Rekonstruktion der 1. Bauphase. Aus: Priene 1904, Abb. 299.Priene, Andron eines Wohnhauses. Rekonstruktion. Zeichnung: UJN 1985 nach Hoepfner. Aus: Klassik.