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Die Antike – Unsere Wurzeln

Prof. Dr.- Ing. Stefan Breitling Beginn: 23.10.2007, WS07/08
Vorlesung Dienstag 18:15-19:45 Uhr, A 151

  11.12.2007  Griechische Antike 4 – Hellenistische Architektursysteme
  Durch die Eroberungszüge Alexanders des Großen wurde die griechische Kultur über große Teile der antiken Welt verbreitet. Die Architekturgeschichte des 4.und 3. Jhs. v. Chr. zeigt die Anpassung der klassischen Architektursysteme an neue Bauaufgaben und regionale Sonderbedingungen. Das korinthische Kapitell, Scherwände und die Verschmelzung von Säule und Wand ermöglichen die Bildung von Gebäudegruppen.
Unter den Nachfolgern Alexanders, den Diadochen, entstanden neue Königtümer, deren Herrscher um eine repräsentative Darstellung ihrer Macht bemüht waren. Eine der klassischen Architektur fremde Dramatik und Übersteigerung durchdrang die nun häufig auf Achsen orientierten Gesamtanlagen wie das architektonische Detail. Das korinthische Kapitell ist ein adäquater Ausdruck des neuen Schmuckreichtums. In Halikarnassos ließ König Mausolos einen Grabbau, das Mausoleum errichten, der der ganzen Gattung den Namen gab.
In Pergamon richteten die Attaliden eine Residenz auf der ehemaligen Akropolis ein, zu der neben den Palästen mehrere Heiligtümer, Kasernen und die berühmte Bibliothek im Athena-Heiligtum gehörten. Anlässlich seines Sieges über die Galater 190 v. Chr. ließ Eumenes II. (197-159 v. Chr.) einen großen Zeusaltar errichten, auf dessen Seiten der Kampf der Götter gegen die barbarischen Giganten dargestellt war, und der heute im Pergamonmuseum in Berlin zu sehen ist. Die Säulenhallen des zugehörigen Athenabezirks zeigen die Superposition der dorischen und der ionischen Ordnung und mit Rüstungsteilen geschmückte Brüstungen zwischen den Säulen des Obergeschosses. Die Terrasse unterhalb des Theaters wurde als Skenographie, als gebautes Bild mit einer langen Blickachse angelegt. Der gigantische Tempel des Apollon in Didyma, ein nach den Pythagoräischen Harmonielehren proportionierter Dipteros mit offenem Hof, in dem das Orakel stand, wurde nicht mehr vollendet. Seine Baudetails zeigen den Bauprozess und die technische Raffinesse des Werksteinbaus der Griechen.

LAUTER, Hans: Die Architektur des Hellenismus. Darmstadt 1986.
RADT, Wolfgang: Pergamon, Archäologischer Führer. Istanbul 1984.

  Berlin, Pergamonmuseum, Saal der hellenistischen Architektur. Magnesia: Zeustempel. Pergamon: Tempel am Marktplatz, Ante; Halle am Marktplatz; Athenaheiligtum, N-Halle, Bibliothekstür; Athena-Tempel. Foto: SMPK.Samothrake, Ptolemaion, erstes echtes Korinthisches Normalkapitell, 285-280 v. Chr. Aus: LAUTER 1986, Taf. 33a.
  Aigai (Vergina), Palast der makedonischen Könige, Ionisches Halbsäulenkapitell vom Eingangsbereich, um 355. Aus: Klassik 2002, S. 430.Halikarnassos, Mausoleum, um 352 v. Chr. Modell: CCI Breslau nach Rekonstruktion W. Hoepfner. Aus: Klassik 2002, S. 421.
  Berlin, Pergamonmuseum, Die Akropolis von Pergamon, Rekonstruktion, Modell. Foto: SMPK 1995.Berlin, Pergamonmuseum, Großer Altar von Pergamon, errichtet von Eumenes II. (197-159 v. Chr.) anlässlich seines Sieges über die Galater 190 v. Chr. Rekonstruktion. Foto: SMPK.
  Berlin, Pergamonmuseum, Großer Altar von Pergamon, errichtet von Eumenes II. (197-159 v. Chr.). Kampf der Götter gegen die Giganten, Nyx. Foto: SMPK 1995.Pergamon, Propylon des Athena-Heiligtums. Berlin, Pergamon-Museum. Foto: SMPK.
  Pergamon, Theaterterrasse mit Hallen und Dionysostempel, Skenographie. Zeichnung: Arvanitis nach Hoepfner.Didyma, Apollontempel II, um 300 v. Chr. bis 2. Jh. n. Chr. Ansicht von Norden. Foto: Breitling 2001.
  Didyma, Apollontempel II, um 300 v. Chr. bis 2. Jh. n. Chr. Grundriss nach H. KNACKFUSS 1940, I,3.Didyma, Apollontempel II, um 300 v. Chr. bis 2. Jh. n. Chr. Unfertige Säulenbasis und Wandfläche der Cella mit Hebebossen, Versatzmarken und Steinmetzzeichen. Fotos: Breitling 2001.
  Didyma, Apollontempel II, Friesblock mit Medusenhaupt, 2. Jh. n. Chr. Foto: Breitling 2001.