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Die Antike – Unsere Wurzeln

Prof. Dr.- Ing. Stefan Breitling Beginn: 23.10.2007, WS07/08
Vorlesung Dienstag 18:15-19:45 Uhr, A 151

  08.01.2008  Römische Antike 1 – Militärlager und Städtebau
  Die Bauleistungen der Römer blieben viele Jahrhunderte in der europäischen Architekturgeschichte unerreicht. Mancher Künstler und Architekt verzweifelte vor der Größe der antiken Trümmer. Das Forum Romanum, Mittelpunkt eines seit dem 2. Jh. v. Chr. sich ständig erweiternden, um 100 n. Chr. den ganzen Mittelmeerraum umspannenden, straff organisierten Weltreiches, ist bis heute ein mystischer Ort. Kennzeichen der römischen Architektur ist die enge Verbindung von konstruktiver Lösung und Gestaltung. Einmal gefundene bautechnische Verfahren wurden systematisiert und durch den römischen Verwaltungsapparat überall verbreitet. Dazu gehörte vor allem auch der Bau von Militärstraßen, die die neuen Kolonien erschlossen und es den römischen Heeren ermöglichten, auf direktem, meist schnurgerade geführten Wege zu jeder Jahreszeit schnell an alle Orte des Reiches zu gelangen. Die Nähe zu Pionier- und Schanzarbeiten der Armee blieb der römischen Bautechnik. Das Opus Caementitium, ein Schichtmauerwerk mit einer Außenschale aus Ziegeln oder kleinen Bruchsteinen und einer Füllung aus Ziegelsplitt und hydraulisch abbindendem Kalkmörtel war leicht zu erstellen und bot eine massive und belastbare Konstruktion. Die Religion, die von den Etruskern beeinflusst war, bestimmte auch das Bauwesen. Zunächst wurde von einem Augur der Bauplatz bestimmt und der Raum achsial eingeteilt. Mit dem Groma wurde dann das Land in rechtwinklige Felder aufgeteilt. Bei Militärlagern und neu angelegten Städten kreuzten sich in der Mitte die Hauptstraßen, die via principalis und die via praetoria, Cardo und Decumanus. Die Quartiere wurden in Insulae unterteilt. Im Zentrum lag beim Lager der Raum mit den Feldzeichen, bei der Stadt das Forum, das auf einer Seite vom Tempel des Stadtgottes beherrscht wurde, nach dem Vorbild in Rom „Kapitol“ genannt. Um diesen Marktplatz herum lagen Markthallen, Basiliken, in denen Recht gesprochen wurde und die Gebäude der großen Handelsgesellschaften.Das römische Haus war ganz nach innen gewendet und war ebenfalls entlang einer Achse organisiert. Im Zentrum lag das Atrium mit einer Öffnung im Dach zur Belichtung und ursprünglich als Rauchabzug. Darunter lag das Impluvium, ein Becken, das das Regenwasser für die Zisterne sammelte. Das Tablinum war der Raum des Hausherrn, der dort die Klienten empfing. Dahinter konnte ein Garten oder auch ein Peristyl, ein von Säulenhallen umgebener Hof nach griechischen Vorbild liegen. In den großen Städten und Häfen wurden neben diesem Typ auch mehrgeschossige Mietshäuser errichtet, Spekulationsobjekte, die billig gebaut ihren Besitzern hohe Renditen garantierten.

CONNOLLY, Peter: Die römische Armee. London 1975, Hamburg 1976.
KÄHLER, Heinz: Rom und sein Imperium. Baden-Baden 1962.

  _01 Der Künstler verzweifelt vor der Größe der antiken Trümmer. Johann Heinrich Füssli 1778-1780. Zürich, Kunsthaus.Rom, Forum Romanum nach Osten von der Via Sacra aus gesehen. Foto: Breitling 1998.
  Bau und Konstruktion einer Römerstraße. Aus: MACAULY 1975.Rom, Trajanssäule auf dem Trajansforum, 107-112. Legionäre beim Bau von Festungsanlagen und Brücken. Aus: STIERLIN 1996, S. 129.
  Römisches Mauerwerk mit opus caementitium. Aus: PIRANESI 1756, Le Antichità Romane III, Taf. III, 5.Aufteilung des Raumes durch einen römischen Augur. Aus: NORBERG-SCHULZ, Abb. 76.
  Römische Landvermesser mit Groma (Visiergerät) und Maßleine. Aus: MACAULAY 1975.Legionslager mit praetorium, quaestorium, via principalis, via praetoria. Aus: Rom und seine große Zeit, S. 239.
  Die Einteilung des Landes in Centuriationen in der Provence.Timgad, Luftbild. Aus: Atlas der Weltarchitektur.
  Pompeji, Ansicht der Ausgrabungsstätte mit Via Mercurio. Aus: PÖRTNER/NIEMEYER 5, 1981-1987, S. 1631.Domus Italica, Schema. Ostium (Eingang), fauces (Flur), tabernae (Läden), atrium mit compluvium (Dachöffnung) und impluvium (Auffangbecken), cubicula (Schlafräume), alae (Flügel), tablinum (Raum des Hausherrn), triklinium (Speiseraum), hortus (Garten
  Domus Italica, Varianten mit Peristyl (Säulenhof) aus Pompeji. Aus: CONNOLLY 1979, S. 27.Pompeji, Casa di Caio Secondo, Atrium mit Larenaltar, compluvium, impluvium mit Zisterne. Aus: Rom und seine große Zeit, S. 25.
  Rom, Fünfstöckiges Wohnhaus der Kaiserzeit am Fuße des Kapitols. Modell: Museo della Civiltà Romana, EUR, Rom.