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Die Antike – Unsere Wurzeln

Prof. Dr.- Ing. Stefan Breitling Beginn: 23.10.2007, WS07/08
Vorlesung Dienstag 18:15-19:45 Uhr, A 151

  15.01.2008  Römische Antike 2 – Kommunal- und Repräsentationsbauten der späten Republik und der frühen Kaiserzeit
  Die römische Architektur wurde besonders in der späten Republik und von den ersten Kaisern geprägt, die in der Kunst eine Möglichkeit zur öffentlichen Repräsentation und Verbreitung ihres Herrschaftsanspruches sahen. Die Stadt Rom wurde durch große staatliche Bauten geprägt, die bis heute im Stadtbild ablesbar sind. Schon der Tempel für die kapitolinische Trias auf dem Kopitolshügel aus dem 6. Jh. v. Chr. wies im Gegensatz zum griechischen Peripteraltempel die typische achsiale Ausrichtung auf. Auf einem hohen Podest, zu dem zwischen Seitenwangen eine Freitreppe emporführte, stand hinter einer tiefen Vorhalle die dreigeteilte Cella. Der Tempel wurde durch eine Rückwand abgeschlossen. Alle diese Merkmale blieben beim römischen Tempelbau erhalten, auch wenn seit der Eroberung Griechenlands Mitte des 2. Jhs. v. Chr. zunehmend die hellenistischen Architekturordnungen übernommen wurden. Die bis 12 v. Chr. erbaute Maison Carrée in Nimes ist dafür ein gutes Beispiel. In der frühen Kaiserzeit bemühten sich die Herrscher ausdrücklich um eine Adaption der griechischen Klassik. Daneben wurden aber auch eigene Traditionen geprägt. Viele Gebäude wurden in Massivbauweise als Bogenkonstruktionen errichtet. Die Verbindung von Bogenarkade und vorgeblendeter Säulenordnung mit geradem Gebälk stellte die häufigste Fassadengestaltung dar. Das gilt für die republikanische Basilika Julia auf dem Forum Romanum ebenso wie für die Triumphbögen, wie dem dreitorigen des Septimius Severus von 203 n. Chr., bei dem über den Bögen ein über kompositen Säulen verkröpftes Kranzgesims umläuft. Darüber folgt eine hohe Attika mit der Weiheinschrift, auf der ursprünglich eine Bronzeskulptur des Kaisers auf der Quadriga, dem Wagen, den er beim Triumphzug fahren durfte, stand. Kaiser Augustus ließ in Rom eine ganze Reihe von Bauten errichten, die alle auf seine Person, seine Leistungen für den Staat und auf seine Familie verwiesen. Dazu gehört das Augustusforum mit dem Tempel des Mars Ultor mit seinen zwei seitlichen Exedren, Die Sonnenuhr auf dem Marsfeld, die Ara Pacis und das Mausoleum, das er nach dem Vorbild der altitalischen Hügelgräber anlegen ließ, um den Urnen seiner Familie einen gemeinsamen Ort zuzuweisen und damit seine Traditionsverbundenheit zu belegen. Für die traditionellen Freizeitvergnügen der Römer wurden auf dem vor den Mauern der Stadt gelegenen Marsfeld Wandelhallen, Theater Amphitheater und Circusanlagen gebaut. Die Cavea, die Zuschauertribünen wurden nun nicht mehr wie beim griechischen Theater an einen Berghang angelegt, sondern durch übereinander gestapelte Tonnengewölbe mit Treppenaufgängen gestützt. Die Fassaden des Marcellustheaters zeigen die Superposition, die Abfolge der dorischen und ionischen Säulenordnung in den verschiedenen Geschossen mit einer zunehmenden Leichtigkeit der Ordnung nach oben. Gleiches gilt für das unter den Flaviern 70-96 n. Chr. errichtete Kolosseum, das größte für Tierhetzen und Gladiatorenspiele je gebaute Amphitheater.

COARELLI, Filippo: Rom. Ein archäologischer Führer. Freiburg/Basel/Wien 1975.
WARD-PERKINS, John B.: Architektur der Römer. Mailand 1974, Stuttgart 1975.
ZANKER, Paul: Forum Augustum. Tübingen 1968.
  Augustus-Statue aus der Villa der Livia in Primaporta bei Rom, um 14 n. Chr. Rom, Vatikanische Museen.Forma Urbis Romae.
  03 Rom, Tempel des Jupiter Capitolinus, 509 v. Chr., 69 v. Chr., Modell. Aus: BENEVOLO, Abb. 298; des Jupiter Capitolinus, 509 v. Chr., 69 v. Chr., Grundriss mit dreigeteilter Cella, Rückwand, tiefer Vorhalle auf Podest mit Freitreppe. Aus: WeltatlasGriechischer allansichtiger Peripteros auf 3stufigem Unterbau (Athen, Hephaisteion, Mitte 5. Jh. v. Chr.) und Römischer gerichteter Pseudoperipteros auf Sockel mit frontseitiger Freitreppe (Nimes, Maison Carrée, Ende 1. Jh. v. Chr.). Aus: KOCH.
  05 Rom, Portikus im Forum Holitorium, späte Republik. Konstruktionsschema mit Kombination von Quaderbau mit Bogenarkaden und vorgeblendeter Säulenordnung. Aus: WARD-PERKINS 1974, Abb. 31.Rom, Triumphzug des Titus, Blick von der Via Sacra vor dem Saturntempel auf das Forum mit Rostra, Basilika Julia, Caesartempel und Triumphbogen des Augustus. Aus: CONNOLLY 1975.
  Rom, Bogen des Septimius Severus. Aus: DAL MASO 1974, S. 61.Rom, Augustus-Forum. Modell: Italo Gismondi 1935-1971. Museo della Civiltà Romana, EUR, Rom. Aus: DAL MASO 1974, S. 61.
  Rom, Augustus-Mausoleum, nach 29 v. Chr., Ansicht von S. Foto: Breitling 1998.Rom, Marcellus-Theater mit Janus- und Apollon-Tempel, Ende 1. Jh. v. Chr. Grundriss. Aus: KAEHLER 1962, Fig. 3.
  Rom, Marcellus-Theater, Ende 1. Jh. v. Chr., Superposition. Modell: Museo della Civiltà Romana, EUR, Rom. Aus: DAL MASO 1974, S. 93.Rom, Flavisches Amphitheater „Kolosseum“, 70-76 n. Chr., Aufstockung um 80 n. Chr., Innenausbau bis 96 n. Chr. Foto: Breitling 1999.