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Die Antike – Unsere Wurzeln

Prof. Dr.- Ing. Stefan Breitling Beginn: 23.10.2007, WS07/08
Vorlesung Dienstag 18:15-19:45 Uhr, A 151

  22.01.2008  Römische Antike 3 – Prachtentfaltung in der Kaiserzeit
  Unter den Kaiser Trajan (98 - 117) und Hadrian (117 - 138) erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung. Die Architektur nahm zunehmend auch Einflüsse aus den regionalen Bautraditionen in den Provinzen auf. Neben einem Rückbezug auf den ersten Kaiser Augustus wurden das Hofzeremoniell und die gottgleiche Rolle des Kaisers für das politische Leben wie für die Programme der Repräsentationsbauten immer wichtiger. Kaiser Trajan ließ neben dem Augustusforum ein eigenes Forum errichten, das das neue Verwaltungszentrum des römischen Marktwesens sein sollte. Die Mitte des Platzes wurde von einem Reiterstandbild des Kaisers eingenommen, das auf seine Omnipräsenz im Reich verwies. Westlich angrenzend stand die Basilika Ulpia, zentraler Gerichtsort, über dessen Eingang der Kaiser als Triumphator dargestellt war. Es folgten eine griechische und eine lateinische Bibliothek, die das antike Wissen repräsentierten und schließlich der Tempel des vergöttlichten Trajan, vor dem die Trajanssäule aufgestellt wurde, auf der in einem umlaufenden Fries die Taten des Kaisers, seine Feldzüge gegen die Daker und die Befriedung der Provinzen dargestellt waren. Auch in den Provinzen entstanden prächtige öffentliche Bauten im Stile des „Römischen Barock“, die zumeist von Privatleuten gestiftet wurden, wie zum Beispiel die Celsus-Bibliothek in Ephesos. Für Kaiser Hadrian spielte die griechische Kultur als Bildungsgut eine besondere Rolle. Nicht zuletzt unter den Einfluss der Griechischen Mystik vervollkommnete er den Gedanken des Kaisers als kosmischer Mittelpunkt des Reiches und der Welt. In Rom ließ er 117-128 das Pantheon erbauen, dessen Bedeutung für die europäische Architekturgeschichte in der seitdem unerreichten Darstellung der Idee des Zentralbaus als mikroskopische Abbildung des Makrokosmos besteht. Formal wie bautechnisch perfekt wurde ein von Nischen gegliederter Zylinder mit einer halbkugelförmigen kassettierten Kuppel verbunden. Die zentrale Öffnung des Opeions ließ einst die Sonnenstrahlen im Lauf des Tages über die Statuen von Göttern und Kaisern im Inneren gleiten und stellte so die Verbindung der Herrscher des Himmels und der Erde dar. Selbst dieser Zentralbau hat eine Richtung. Eine Vorhalle am einen und eine Apsis am anderen Ende der Achse geben ebenso wie die als Nymphäum gestaltete Rückwand die für den römischen Tempel typische Orientierung. Außerhalb Roms lag die eigentliche Residenz Hadrians, die ausgedehnte Villa bei Tivoli. Die Villa hatte sich aus dem bäuerlichen Gehöft zum Sommersitz der römischen Patrizier entwickelt. Um ein nach außen geöffnetes Wohnhaus lagen Lauben und Terrassen sowie statuengeschmückte Gärten und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Im Zentrum der Villa des Hadrian lag das kreisrunde Teatro Maritimo, eine Miniaturvilla auf einer von einem Wassergraben und einer mit einer Rundtonne überspannten Säulenhalle. Hier ließ sich der Kaiser weissagen und gewährte Audienzen. Hier stellte er mit seiner Person die Verbindung her zwischen Himmel, Erde und Wasser, zwischen den göttlichen Kräften und den Menschen. Bibliotheken, Bäder, Wagenrennbahnen und verschiedene Tempel und Speiseplätze in leichter und anspielungsreicher Architektursprache wurden in der Landschaft verteilt und mit Namen aus der mystischen Literatur der Antike bezeichnet.

DE FINE LICHT, Kjeld: The Rotunda in Rome. A Study of Hadrian´s Pantheon. Copenhagen 1968.
MIELSCH, Harald: Die römische Villa. München 1987.
STIERLIN, Henri: Imperium Romanum. Von den Etruskern bis zum Untergang des Reiches. Köln 1996.
  , Kaiser-Fora nördlich des Forum Romanum, Lageplan. Aus: Weltatlas der Architektur.Rom, Trajansforum, Rekonstruktion mit Basilika Ulpia, Reiterstandbild, Quadriga und Trajanssäule im Hintergrund. Zeichnung: James E. Packer. Aus: STIERLIN 1996, S. 131.
  Rom, Trajansforum, 100 – 112 n. Chr. Foto: Breitling 1999.Ephesos, Celsus-Bibliothek, 115 bis 135. Foto: Breitling 2001.
  Pantheon, 117-128. Foto: Breitling 1998Rom, Pantheon, 117-128, Grundriss. Aus: DE FINE LICHT 1968.
  Rom, Pantheon, 117-128, Längsschnitt nach Osten. Aus: DE FINE LICHT 1968, Fig. 105.Rom, Pantheon, 117-128. Innenraum. Aus: STIERLIN 1996, S. 157.
  Rom, Pantheon, 117-128. Bogensystem im Mauerwerk. Aus: DE FINE LICHT 1968, Fig. 110.Rom, Pantheon, 117-128. Inneres korinthisches Gebälk der Vorhalle. Aquarell: Georges Chedanne 1891. Aus: JAQUES; MIYAKE 1987.
  Tivoli, Villa Hadriana, ab 118 n. Chr., Modell. Museo della Villa Adriana, Tivoli. G. Nimatallah, Archivio IGDA. Aus: ARCHEO 49, III/1989, S. 82.Villa Hadriana, Teatro Maritimo, nach 118 n. Chr. Foto: Cramer 1999.
  Villa Hadriana, Teatro Maritimo, nach 118 n. Chr., Rekonstruktionsvorschlag. Aus: STIERLIN 1996, S. 176, 177.