startseite

Die Antike – Unsere Wurzeln

Prof. Dr.- Ing. Stefan Breitling Beginn: 23.10.2007, WS07/08
Vorlesung Dienstag 18:15-19:45 Uhr, A 151

  29.01.2008  Römische Antike 4 – Ingenieurbaukunst und Mega-Bauten
  Die Größe und der Luxus der römischen Kultur in der engen Verbindung mit dem bautechnischen Können der Römer werden vor allem am Beispiel ihres Badewesens und der dafür errichteten Bädern deutlich. Die Bürger der römischen Städte badeten jeden Tag und verbrachten in den Thermen viele Stunden mit Sport und Gesprächen. Um die erforderliche Qualität des Wassers zu garantieren und um einen hohen Wasserdruck zur Verteilung in der Stadt zu erzielen, wurden oft kilometerlange, mit wasserdichtem Mörtel ausgekleidete Wasserleitungen, die Aquädukte angelegt, die auf Brücken auch Täler und Flüsse überquerten. Zum Baden durchlief man mehrere Becken mit abnehmender Wassertemperatur, für die das Wasser in großen Metallreservoirs erhitzt wurde. Vor dem Schwimmen reinigte man sich in einem eigenen Kaltwasserbecken. Nach dem Sport schabte man sich den Staub mit Öl und Strigiles vom Körper. Es gab Männer- und Frauenabteilungen. Wasserschöpfwerke, Warteräume für die Diener, Toiletten, Läden und Tavernen ergänzten die Anlage. Alle Räume wurden mit dem Hypocaustensystem beheizt. Dabei wurde heiße Luft unter den Fußböden und durch Hohlziegel in den Wänden geleitet. Die Wände waren stuckiert und bemalt oder mit einer Inkrustation aus dünnen Marmorplatten versehen. In der späten Kaiserzeit entstanden riesige Thermenanlagen, die auch dem gewöhnlichen Volk den Badeluxus erschließen sollten. Die 212-216 n. Chr. errichteten Caracalla-Thermen in Rom besaßen zweiflüglige, an einer zentralen Achse gespiegelte Raumfolgen, die von Gärten, Odeien und Sportplätzen umgeben waren. Der Kernbau allein besaß eine mehr als 200 Meter lange Fassade. Auf der Hauptachse lag die Folge von den heißen Bädern des Caldariums über die warmen Bäder des Tepidariums bis zu den Kaltbädern des Frigidariums und der nicht überdachten Natatio. Auf den Querachsen lagen die Schwitzbäder, die Sportplätze und Vortragssäle. Mehrere funktionale Abläufe und Badeprogramme waren möglich. Einen Eindruck von der Großartigkeit der repräsentativen Raumfolgen gibt das erhaltene und von Michelangelo in eine Kirche umgewandelte Frigidarium der Diokletiansthermen in Rom von 298 bis 306 n. Chr. Die gleiche Konstruktion wie für die großen Frigidarien der Thermen wurde auch für die Maxentius-Basilika auf dem Forum Romanum angewendet. Das gewaltige Mittelschiff mit Kreuzgratgewölben über einer Spannweite von rund zwanzig Metern wurde von niedrigeren, tonnengewölbten Seitenschiffen gestützt. Dieser basilikale Querschnitt ermöglichte die Belichtung des Innenraumes durch Thermenfenster im Obergaden des Mittelschiffs. Auch am Beispiel der prächtig ausgestatteten Thermen und Basiliken der spätrömischen Zeit wird deutlich, wie sehr die römische Architektur auf die Gestaltung von Innenräumen konzentriert war. Sie bildet damit ein Gegenbild zu der als freistehende Skulptur konzipierten Architektur des griechischen Tempelbaus.

BRÖDNER, Erika: Die römischen Thermen und das antike Badewesen. Eine kulturhistorische Betrachtung. Stuttgart 1997.
KEK, Damir: Der römische Aquädukt als Bautypus und Repräsentationsarchitektur. 1996.
  Rom, The Baths of Caracalla. Sir Lawrence Alma-Tadema (1836-1912).Rom, Köln, Konstruktion der römischen Wasserleitung. Modell: Römisch-Germanisches Museum Köln. Aus: BENEVOLO.
  Rom, Pont du Gard. Aus: KÄHLER 1962.Rom, Pompeji, Stabianer Bäder. Rekonstruktion. Aus: CONNOLLY 1979.
  Rom, Pompeji, Stabianer Bäder. Grundriss. Aus: CONNOLLY 1979.Rom, Ostia. Öffentliche Toiletten. Opus mixtum. Foto: Breitling 1999.
  Rom, Hypocausten-Heizung, Schema. Aus: BATH ARCHAEOLOGICAL TRUST 1993, S. 27.Rom, Bath, Römische Bäder, Reste der Hypocaustenanlage in den westlichen Baderäumen. Foto: Breitling 2007.
  Rom, Rom, Caracallathermen, 212-216 n. Chr., Rekonstruktion. Modell: Italo Gismondi 1935-1971. Museo della Civiltà Romana, EUR, Rom. Aus: DAL MASO 1974.Rom, Caracallathermen, 212-216 n. Chr., Grundriss. Aus: KRENCKER 1929.
  Rom, Diokletians-Thermen, 298 bis 306, Ehem. Frigidarium, heute Santa Maria degli Angeli (Michelangelo 1563, Vanvitelli 1725, 49). Foto: Breitling 1999.Rom, Maxentius-Basilika, ab 307. Foto: Breitling 1998.
  , Maxentius-Basilika, ab 307, Querschnitt. Aus: DEHIO/BEZOLD.Links: Athen, der Parthenon, 447- 432 v. Chr. Griechischer, allansichtiger, körperhafter Peripteros mit dorischen Säulen und Gebälk. Aus: MÜLLER-WIENER 1988. Rechts: Rom, das Pantheon, 118-128 n. Chr. Römischer, nach innen gerichteter Zentralbau mi