DIE STADTMAUERN VON MĀRIB UND SIRWĀH  (JEMEN)

Dipl.-Ing. Mike Schnelle
 


Kurzbeschreibung des Projekts

Topographische Situation von Mārib
Mārib - die Hauptstadt des Sabäerreiches - liegt am Südwest-Rand der innerarabischen Wüste Ramlat as- Sab'atayn, 135 km östlich von San'ā', in einer Höhe von etwa 1200 m.
Die Stadt ist von einer etwa 4,2 km langen Stadtmauer umgeben, die auch das Siedlungsgebiet des früh- bis spätislamischen Mārib, einen 20 – 30 m hohen Tell, mit einschließt.
Im Süden und Westen wird das Stadtgebiet des antiken Mārib von einer riesigen, einstmals künstlich bewässerten Oase begrenzt. Die fruchtbare Oase bildete – wie auch in Sirwāh - zusammen mit dem Handel von Myrrhe und Weihrauch die wirtschaftliche Grundlage der Stadt. Eindrucksvolle Dammbauten und ein weitläufiges Kanalsystem zur Bewässerung der Felder geben Zeugnis von der hohen Stufe der sabäischen Kultur. 

Die Stadtmauer der Hauptstadt im Kontext von Oase und Stadtgebiet
Die Ummauerung der wichtigsten sabäischen Metropole stellt ein komplexes architektonisches Gebilde aus Kurtinen, Türmen und Toranlagen dar, deren horizontale und vertikale Schichtungen - bestehend aus verschiedenen Baustoffen (Lehmziegel, Tuffstein, Kalkstein sowie Lavagestein) – unterschiedlichen Bauphasen zugeordnet werden können.
Die zyklischen Überschwemmungen der Oase außerhalb der Stadt zogen die Aufsedimentierung von Schwemmaterial nach sich. Dadurch wurden, wie auch durch die Siedlungstätigkeit in der Stadt, Erhöhungen der Stadtmauer notwendig, die heute in zahlreichen Bauphasen nachweisbar sind.
Die Mauer selbst ist in großen Teilen als Lehmziegelwall überkommen, der im Laufe seiner Geschichte der Mauerschalen beraubt wurde. Bereits in antiker Zeit wurde das Baumaterial der Ummauerung für die Ausbesserung der Staumauern und später immer wieder bei der Entstehung der islamischen Tellsiedlung Mārib verwendet.
historische Stadtbild zu würdigen. 

Topographische Situation von Sirwāh
Die sabäische Stadtanlage von
Sirwāh ist etwa 40 km südwestlich von Marib, inmitten südöstlicher Ausläufer des Hawlan-Gebirges, gelegen. Umgeben von hohen Ketten steil anstehender Kalksteintafel-, Tuff- und Basaltberge erstreckt sich eine etwa 1500 Meter über N.N. gelegene Oase, in der erhöht, eine natürliche Felserhebung einbeziehend, der Tell des antiken Stadtgebiets liegt. Das Stadtareal nimmt eine Fläche von etwa 220 X 230 m ein, bei annähernd trapezoidem Grundriß.

Die Ummauerung von Sirwāh - Stadt- oder Peribolosmauer?
Im Luftbild der Stadtanlage von
Sirwāh  zeichnen sich deutlich Großbauten ab, die teilweise in die Ummauerung der Stadt einbezogen wurden. Prägnantestes Beispiel dafür ist der monumentale Almaqah-Tempel, welcher die Südostecke des Stadtareals bildet. Auffällig ist darüber hinaus der große, heute noch 8 m hoch anstehende Eckturm der Südwestecke, der bis ins letzte Jahrhundert immer wieder als Fluchtburg gedient zu haben scheint. Die Siedlungs- und Nutzungskontinuität des Areals verhinderte großflächigen Abtransport von Baumaterial und erlaubt die Dokumentation und Erforschung verschiedenster Phasen der Bebauung.

Forschungsvorhaben
Im Rahmen der Arbeit sollen zunächst großmaßstäbliche Aufmaße der überkommenen Reste der Stadtmauern erstellt und in Lageplänen erfaßt werden.
An ausgesuchten Stellen werden dann kleinmaßstäbliche, formtreue Bauaufnahmen durchgeführt. Anhand derer wird mit Methoden der Bauforschung eine Analyse der Baukonstruktion, Bautechnik, und der verwendeten Baumaterialien erfolgen.
Die Ergebnisse dieser Bauaufnahmen und Kartierungen fließen in eine Datenbank; auf dieser Grundlage finden Auswertungen und Interpretationen statt.
Die Bauforschung anhand gezielter archäologischer Sondagen, Bauaufnahmen und Auswertungen im Bereich der Schnittstellen der Stadtmauer in Mārib mit den Sedimentationsschichten der Oase könnten eine Datierung von Mauerphasen und Sedimentationsschichten als Ergebnis haben.
Ausgehend von den in Mārib noch erhaltenen Toranlagen soll versucht werden, erste Anhaltspunkte für die innere und äußere Erschließung der sabäischen Hauptstadt zu gewinnen.
Mit Untersuchungen der Anlage, der Baudekorationen und der Inschriften werden die Bedeutungen einzelner Toranlagen für die Städte untersucht und vielleicht so erste Einblicke in die Sozialstruktur verschiedener Stadtteile gewonnen.

In Sirwāh ist das Verhältnis der Stadtmauer zu den angeschlossenen Tempel- und Verwaltungsbauten zu klären. Dadurch können wichtige Erkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung der Stadtanlage gewonnen werden.
Als Ergebnis der Forschungen in Mārib und
Sirwāh sollen Aussagen zur Planung und Entwicklung sabäischer Städte formuliert werden.

Für die von Erosion und Steinraub bedrohten überkommenen Reste der Stadtmauern wird ein denkmalpflegerisches Konzept erarbeitet, um dem weiteren Verfall entgegen zu wirken. Eine besonderes Gewicht wird dabei auf die Erhaltung der akut gefährdeten, von schützenden Mauerschalen entkleideten Lehmziegelarchitektur großer Teile der Stadtmauer von Mārib gelegt.

 


Mārib - Turm der nördlichen Stadtmauer mit der Kalkstein- verkleidung.





Mārib - Situation der südlichen Stadtmauer mit den Kalkstein- blöcken der Außenschale.




Sirwāh - Luftbild der sabäischen Stadtanlage mit dem ovalen Almaqah im Osten und dem großen Eckturm der Stadtmauer im Süden.
(Foto: Jürgen Heckes; Deutsches Bergbaumuseum Bochum)





Sirwāh - Eckturm der südlichen Stadtmauer mit verschiedenen Bauphasen aus sabäischer und islamischer Zeit. Bemerkenswert ist der sorgfältige Steinschnitt auf der linken Bildseite.


Zur Person

 geboren 1969 in Leipzig
1994 bis 2000 Architekturstudium an der Technischen Universität Berlin
2000 bis 2002 Aufbaustudium Denkmalpflege an der Technischen Universität Berlin
seit April 2002 Kollegiat des Graduiertenkollegs; Dissertation am Fachgebiet Historische Bauforschung der TU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DAI; Betreuung durch Frau Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack und Prof. Dr. Ricardo Eichmann

Projekte

seit 1995 jährlich Ausgrabungen und deren Dokumentation in bronzezeitlichen Siedlungen Griechenlands und Kroatiens mit dem Institut für Prähistorische Archäologie der FU Berlin
verschiedenste Grabungen und deren Dokumentation in Brandenburg mit örtlichen Grabungsfirmen
seit Februar 2001 Mitarbeit bei Forschungen des DAI in
Sirwāh ; seit Februar 2002 Einbindung in das Mārib-Projekt des DAI
seit Mai 2002 Mitarbeit im Fachgebiet Historische Bauforschung der TU-Berlin



Passbild Mike Schnelle

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